„So war’s! Heinz erinnert sich“ – Ausstellung über das Leben von Heinz Stenmans
Am 27. Oktober wird in der Stadtbücherei Nettetal eine besondere Ausstellung eröffnet. Rund 250 Illustrationen des Hinsbecker Malers und Karikaturisten Heinz Stenmans erzählen vom Alltag, der Kindheit und den Kriegsjahren zwischen 1930 und 1947.

Am Dienstag, 27. Oktober 2026, um 19 Uhr wird in der Stadtbücherei Nettetal in Breyell die Ausstellung „So war’s! Heinz erinnert sich“ eröffnet. Im Mittelpunkt steht die illustrierte Lebensgeschichte des 1928 in Hinsbeck geborenen und 2017 verstorbenen Malers und Karikaturisten Heinz Stenmans.
Die Ausstellung steht unter der Schirmherrschaft von Bürgermeister Christian Küsters. Alle Interessierten sind zur Eröffnung herzlich eingeladen. Bis Ende 2026 wird die Ausstellung in der Stadtbücherei zu sehen sein. Begleitend steht für die Besucher ein Ausstellungskatalog zur Verfügung.
Kindheit, Alltag und Kriegsjahre in rund 250 Illustrationen
Bereits 2002 hatte Heinz Stenmans seine Erinnerungen an die Jahre 1930 bis 1947 in einem Buch festgehalten. Mit kurzen, anschaulichen Texten und rund 250 Illustrationen schilderte er seine Kindheit und Jugend am Niederrhein.
Diese persönliche Lebensgeschichte wird nun auf 18 Roll-ups präsentiert. Ergänzt wird die Ausstellung durch weitere Werke des Künstlers.
Die Zeichnungen erzählen vom Leben auf einem Bauernhof, beschwerlichen Schulwegen, landwirtschaftlichen Arbeiten und seiner Zeit als Messdiener. Auch die Mitgliedschaft im nationalsozialistischen Jungvolk, die Entbehrungen während des Zweiten Weltkriegs, die Wehrertüchtigung, der Reichsarbeitsdienst und schließlich die Heimkehr 1945 gehören zu seinen Erinnerungen.
Besonders bemerkenswert sind die zahlreichen Darstellungen historischer Spielzeuge, Werkzeuge und Arbeitsgeräte, die heute vielfach in Vergessenheit geraten sind. Damit ist die Sammlung nicht nur eine persönliche Lebensgeschichte, sondern zugleich ein wertvolles zeitgeschichtliches Dokument über das Alltagsleben am Niederrhein.

Ein Familienschatz wird für die Öffentlichkeit zugänglich
Einige Jahre nach dem Tod seines Vaters erhielt Wolfgang Stenmans die ursprüngliche Ausarbeitung. Nach seiner Pensionierung nahm er sich die Zeit, das Werk behutsam aufzubereiten.
„Doch wir brauchten nichts zu ändern, nur die Handschrift leserlich zu machen“, berichtet Wolfgang Stenmans. „Alles ist noch so, wie es mein Vater ausgearbeitet hat.“
Zur fachlichen Einschätzung wandte er sich an den Journalisten Axel Küppers, der insbesondere von der klaren und einfachen Sprache beeindruckt war.
„Die Sprache von Heinz Stenmans finde ich einfach und schön. Er hat kein einziges Fremdwort verwendet. Hat alles in einfacher Sprache passend beschrieben. Und das passt wunderbar zu den Illustrationen“, lobt Küppers.
Zum Projektteam stießen außerdem Jan van der Velden, Stadtsprecher von Nettetal und ehemaliger Redakteur der Grenzland Nachrichten, sowie Ralf Hendrix, Vorsitzender des VVV Hinsbeck.
Für Hendrix besitzt das Werk einen besonderen Wert für die lokale Erinnerungskultur: „Das Buch ist ein Schatz für die Lokalgeschichte, weil es subjektive Geschichte sichtbar macht: Heinz’ Erinnerungen sind keine trockenen Fakten, sondern lebendige Erzählungen in Text und Grafik.“
Gerade die Schilderungen von Schulzeit, Kinderspielen, Ausbildung und Kriegserlebnissen machen das Werk für ihn so bedeutsam. Es dokumentiere ein Alltagsleben, das sonst zunehmend in Vergessenheit gerate.

Vom Buch zur Wanderausstellung
Aus der Idee, die Erinnerungen von Heinz Stenmans einem größeren Publikum zugänglich zu machen, entwickelte sich das Konzept einer Wanderausstellung.
Auf Anregung von Roswitha van Dyck, die bei der Stadt Nettetal für LEADER-Projekte zuständig ist, wurde eine entsprechende Förderung beantragt.
Das Projekt wird durch die LEADER-Region Leistende Landschaft e. V. mit Mitteln des Bundes und des Landes Nordrhein-Westfalen aus der Gemeinschaftsaufgabe zur Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes (GAK) gefördert.
Mit Unterstützung des VVV Hinsbeck konnte die Ausstellung schließlich umgesetzt werden. Der Verein spielte bei der Vorbereitung und Realisierung eine wichtige Rolle und informiert auch über seine Internetseite über die weitere Entwicklung.
Die erste Station der Wanderausstellung ist die Stadtbücherei Nettetal in Breyell. Weitere Ausstellungsorte sind bereits in Planung.

Heinz Stenmans – zwischen Handwerk, Technik und Kunst
Heinz Stenmans wurde 1928 in Hinsbeck geboren und besuchte dort zunächst die Schule. Als seine Familie 1936/37 auf einen Bauernhof im Müllem zog, wurde sein Schulweg deutlich beschwerlicher: Rund acht Kilometer musste er bis nach Harzbeck zurücklegen, häufig auf „Klompen“, den damals üblichen Holzschuhen.
Schon früh wollte er Maler werden. Doch dieser Beruf galt seinerzeit als wenig aussichtsreich und wurde als „Hungerberuf“ abgelehnt. Da ihn auch technisches Spielzeug und insbesondere Blechspielzeug faszinierten, begann er stattdessen eine Ausbildung zum Landmaschinenschlosser.
Nach der Wehrertüchtigung im Winter 1944/45 wurde er im Februar 1945 zum Reichsarbeitsdienst ins Weserbergland eingezogen. Bereits im April konnte er unversehrt zurückkehren und seine Ausbildung fortsetzen.
Später qualifizierte er sich zum Technischen Zeichner und Konstrukteur – eine Tätigkeit, die seine technischen Fähigkeiten mit seiner Kreativität verband. Vierzig Jahre lang arbeitete er erfolgreich in diesem Beruf und erwarb insgesamt 14 Patente.
Nach seiner Heirat zog er nach Grefrath, wo er bis zu seinem Tod 2017 lebte.
Ein Künstler mit eigenem Stil
Trotz seiner beruflichen Laufbahn blieb die Malerei für Heinz Stenmans eine lebenslange Leidenschaft. In seinem Kelleratelier verbrachte er viele Stunden mit Zeichnungen und Aquarellen, gelegentlich entstanden auch Ölgemälde.
Dabei entwickelte er stets seinen eigenen Stil, ohne sich an künstlerischen Vorbildern orientieren zu wollen. Seine Arbeiten waren häufig humorvoll, manchmal aber auch ausgesprochen ernst und gesellschaftskritisch.
Besonders seine Karikaturen zeichneten sich durch eine klare Bildsprache aus. Bürgermeister Christian Küsters brachte dies auf den Punkt:
„Bei ihm sieht man sofort, wer der Böse und wer der Gute ist. Dafür brauchte er nur ein paar Pinselstriche.“
Die Ausstellung „So war’s! Heinz erinnert sich“ lädt dazu ein, diesen besonderen Künstler kennenzulernen und zugleich eine Reise in die Alltagsgeschichte des Niederrheins zu unternehmen.
Ausstellung auf einen Blick
- Titel: So war’s! Heinz erinnert sich
- Eröffnung: Dienstag, 27. Oktober 2026, 19 Uhr
- Ort: Stadtbücherei Nettetal, Breyell
- Ausstellungsdauer: Bis Ende Dezember 2026
- Schirmherr: Bürgermeister Christian Küsters
- Inhalt: Rund 250 Illustrationen und Erinnerungen aus den Jahren 1930 bis 1947, präsentiert auf 18 Roll-ups
- Eintritt: Alle Interessierten sind herzlich eingeladen
Ein Ausstellungskatalog begleitet die Präsentation.
Text: Heinz Koch | Illustrationen: Heinz Stenmans





