Jüüte Slamen Dafür

Jüüte slamen in Interkulturellen Woche

Rund 60 Gäste erlebten bei „Jüüte slamen“ im Parkstübchen einen bewegenden Abend voller Vielfalt.

„Dafür!“ – Jüüte slamen begeistert im Hinsbecker Parkstübchen

Rund 60 Besucher erlebten im Rahmen der Interkulturellen Woche in Nettetal einen abwechslungsreichen Abend mit nachdenklichen, bewegenden und humorvollen Beiträgen.

Jüüte Slamen Dafür

Unter dem Motto „Dafür!“ lud die Gruppe „Jüüte slamen“ des VVV Hinsbeck im Rahmen der Interkulturellen Woche zu einem besonderen Abend ins Parkstübchen ein. Wie unterschiedlich sich dieses Motto interpretieren lässt, zeigten die Mitwirkenden mit ihren ganz persönlichen Beiträgen. Für die musikalische Begleitung sorgte Marion Schmoranzer auf dem Schifferklavier. Mit rund 60 Gästen war die Veranstaltung sehr gut besucht.

Den Auftakt machte Initiator Dominik Douteil mit dem Gedicht „Das Phänomen“ von Hanns Dieter Hüsch. „Das Gedicht ist 45 Jahre alt, doch heute noch genauso passend wie damals“, stellte Douteil fest. Der Text beschäftigt sich mit Ausgrenzung, Vorurteilen und Hetze gegenüber Menschen anderer Herkunft, Sprache oder Hautfarbe. Mit den Worten „Das hatten wir doch schon einmal“ erinnerte Hüsch eindringlich an die Vergangenheit und appellierte an die Menschlichkeit.

Wie selbstverständlich Kinder mit Vielfalt umgehen, verdeutlichte Douteil anschließend mit einer kleinen Anekdote: Rapper Fard fragt seinen vierjährigen Sohn Tim, ob es im Kindergarten auch Ausländer gebe. Die entwaffnende Antwort: „Nein, da sind Kinder.“

Die junge Lina Kurowski präsentierte danach einen eigenen, tiefgründigen Text über Depressionen, Selbstzweifel und Suizidgedanken. Sie beschrieb die innere Gefühlswelt betroffener Menschen und stellte die Frage, wie man ihnen beistehen und neue Hoffnung vermitteln kann. Ihre Botschaft war geprägt von Mitgefühl und Zuversicht: „Auch wenn du nicht mehr weiterweißt, darf ich dich begleiten, dein Leben auf die richtigen Schienen leiten. Dann finden wir wieder dein ‚Dafür‘.“

Besonders bewegend war der Beitrag der Ukrainerin Ayna Ezirkhanova-Kirichenko, die in ihrer Muttersprache vom Schicksal einer Frau berichtete, die ihr Leben lang mit Ablehnung, Einsamkeit und schließlich den Folgen des Krieges kämpfen musste. Dominik Douteil übersetzte ihre Worte für das Publikum.

Die Geschichte erzählte von einer Frau, die bereits in ihrer Jugend wenig Zuwendung erfahren hatte. Auch die Hoffnung auf eine bessere Zukunft durch eine Ehe erfüllte sich nicht. Nach der Trennung blieben ihr die Kinder und die Einsamkeit. Als der Krieg ausbrach, musste sie ihre Heimat verlassen und in einem fremden Land neu beginnen, ohne die erhoffte Unterstützung zu finden. Doch trotz aller Schicksalsschläge blieb ihr ein entscheidender Grund weiterzumachen: ihre Söhne, für die sie da sein und die sie auf ihrem Lebensweg begleiten wollte.

Nach diesen ernsten und bewegenden Beiträgen brachte Paul Douteil mit einem humorvollen Vortrag über die Verwertung von Schweineblut eine leichtere Note in den Abend.

Hanna Benden feierte anschließend ihr Debüt mit dem Appell „Mach dein Leben bunter!“. In ihrem Beitrag beschäftigte sie sich mit verlorener Leichtigkeit, Selbstzweifeln und der Frage, wie man wieder mehr Freude am Leben finden kann. Statt sich ständig Gedanken über die Meinung anderer zu machen, ermutigte sie dazu, den Augenblick zu genießen, kleine schöne Erlebnisse bewusst wahrzunehmen und das eigene Leben aktiv zu gestalten. Ihre klare Botschaft: „Mach dein Leben bunter!“

Auch Dominik Douteil setzte ein sichtbares Zeichen. Er trug am linken Fuß einen schwarzen und am rechten einen braunen Schuh. Der Grund? „Das ist mein Zeichen gegen rechte braune Sch…..“

Anschließend wurde es mundartlich: Edi Siemes aus Grefrath erzählte auf „Sötelscher Plott“ vom Zusammenleben mit „Jeete“, also Ziegen, und sorgte damit für heitere Momente.

Johannes Schatten griff danach erneut das Thema Depressionen auf. Er berichtete von gut gemeinten Ratschlägen aus dem Freundeskreis, etwa einfach mehr zu lachen, um die Schwermut zu vergessen. Doch sein Beitrag machte deutlich, dass Depressionen sich eben nicht so leicht überwinden lassen und Verständnis oft wichtiger ist als vermeintlich einfache Lösungen.

Den Abschluss gestaltete Dorothée Wirth aus Waldniel mit einem humorvollen Blick auf die Sprache der heutigen Jugend. Unter dem Motto „Ich bin dafür – oder wie die heutige Jugend sagt: Hey Digger!“ schilderte sie ein lautstarkes Gespräch zweier Jugendlicher an einer Discounter-Kasse. Zahlreiche moderne Ausdrücke, die für Erwachsene oft rätselhaft bleiben, sorgten für Unterhaltung. Besonders amüsant wird es schließlich, wenn Erwachsene versuchen, diese Jugendsprache selbst zu verwenden – sehr zum Entsetzen der jungen Generation.

So zeigte der Abend eindrucksvoll, wie vielfältig sich ein einziges Motto interpretieren lässt. Mal ernst, mal nachdenklich, mal humorvoll, aber immer mit einer persönlichen Botschaft. „Dafür!“ stand an diesem Abend nicht nur für ein Wort, sondern für Menschlichkeit, Hoffnung, Vielfalt und den Mut, eigene Standpunkte zu vertreten.

Text & Foto: Heinz Koch

Christian
Author: Christian

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