Friedhof Hinsbeck

Der Friedhof Hinsbeck

Der Friedhof Hinsbeck – vom katholischen Kirchhof zum Ort der Erinnerung

Unmittelbar hinter der Pfarrkirche Sankt Peter liegt der Friedhof Hinsbeck am Hang der Hinsbecker Höhen. Der 1840 eröffnete Friedhof war ursprünglich katholisch geprägt und wurde lange von der katholischen Kirchengemeinde verwaltet, obwohl er der damaligen Zivilgemeinde gehörte. Heute ist er ein kommunaler und konfessionsübergreifender Begräbnisort. Mit seinen alten Grabmalen, der Friedhofskapelle und dem weiten Blick über den Ort ist er zugleich ein bedeutender Ort der Hinsbecker Geschichte.

Standort:
Friedhof in Hinsbeck
Wankumer Straße 12
41334 Nettetal-Hinsbeck

Erste Nutzung: 1840

Besondere Orte:
Friedhofskapelle, Priestergrabstätte, Kalvarienberg und Kriegsgräberstätte


Als die Toten noch rund um die Kirche bestattet wurden

Über viele Jahrhunderte befand sich der Hinsbecker Friedhof unmittelbar an der alten Pfarrkirche. Die Gräber lagen halbkreisförmig um das kleine Gotteshaus, das bis zum Bau der heutigen Kirche den Mittelpunkt des katholischen Gemeindelebens bildete.

Im Jahr 1840 wurde der heutige Friedhof in Gebrauch genommen. Die neue Anlage war zunächst wesentlich kleiner als heute und reichte nur bis zur ersten Grabreihe hinter der späteren Friedhofskapelle. Eine Mauer umgab einen großen Teil des Geländes. Der Zugang führte durch ein Tor neben der damaligen Knabenschule.

Ein Grundstücksgeschäft mit Folgen

Bereits 1837, drei Jahre vor der ersten Nutzung des neuen Friedhofs, wurden die benötigten Grundstücksparzellen von dem Hinsbecker Landwirt Andreas Teller erworben und auf die Zivilgemeinde Hinsbeck übertragen.

Die Gegenleistung machte das Geschäft jedoch ungewöhnlich: Teller erhielt kein Grundstück der Zivilgemeinde, sondern eine Fläche, die der katholischen Kirchengemeinde gehörte. Die Zivilgemeinde hinterlegte lediglich einen Geldbetrag als Sicherheit für deren Wert.

Diese Regelung trug später zu erheblichen Unklarheiten bei. 1893 wurde die Zivilgemeinde im Grundbuch für das Friedhofsgrundstück eingetragen. Tatsächlich hatte jedoch die katholische Kirchengemeinde über Jahrzehnte die Friedhofsmauer, weitere Bauten, Instandsetzungen und den Friedhofsgärtner finanziert. Auch der Verkauf der Grabgruften wurde von ihr abgewickelt.

Da sich die Rechtsverhältnisse trotz mehrerer Gutachten nicht abschließend klären ließen, beließ man es 1914 im gegenseitigen Einvernehmen beim bisherigen Zustand: Offiziell blieb die Zivilgemeinde eingetragen, während die praktischen Arbeiten und die Abwicklung des Friedhofsbetriebs weiterhin bei der katholischen Kirchengemeinde lagen.

Vom katholischen Friedhof zum Friedhof für alle Hinsbecker

Obwohl das Friedhofsgrundstück auf die Zivilgemeinde übertragen worden war, blieb die Anlage zunächst vollständig katholisch geprägt. Sie stand unter der Aufsicht und Verwaltung der katholischen Kirchengemeinde. Nichtkatholische Einwohner hatten grundsätzlich kein Recht, dort beigesetzt zu werden. Nur in besonderen Fällen konnten sie an einer dafür vorgesehenen Stelle des Friedhofs bestattet werden.

Die wenigen evangelischen Verstorbenen aus Hinsbeck wurden deshalb zunächst in Kaldenkirchen und später überwiegend in Lobberich beigesetzt. Ende 1916 ließ die Zivilgemeinde schließlich einen eigenen evangelischen Friedhof in Hinsbeck-Oirlich anlegen, der im Januar 1917 fertiggestellt wurde.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wuchs die evangelische Gemeinde durch den Zuzug von Heimatvertriebenen erheblich. Ende 1956 war der kleine evangelische Friedhof vollständig belegt. Nach Absprachen zwischen der Zivilgemeinde und der katholischen Pfarrgemeinde wurden daher ab 1957 auch evangelische Verstorbene auf dem bisherigen katholischen Friedhof beigesetzt – zunächst im unteren und später im neu angelegten oberen Friedhofsteil.

1969 wurde die Anlage in einen kommunalen Friedhof umgewandelt. Seitdem werden dort Hinsbecker Bürgerinnen und Bürger unabhängig von ihrer Konfession beigesetzt. Mit der Bildung der Stadt Nettetal zum 1. Januar 1970 kam der Friedhof in die Zuständigkeit der neuen Stadt.

Vom kleinen Gottesacker zur Anlage auf zwei Terrassen

Der 1840 eröffnete Friedhof war zunächst wesentlich kleiner als heute. Er reichte lediglich bis zur ersten Grabreihe hinter der späteren Friedhofskapelle und war größtenteils von einer Mauer umgeben. Der Zugang führte durch ein Tor neben der damaligen Knabenschule.

Im Laufe der Zeit wurde die Anlage erweitert. Der Friedhof umfasste schließlich die gesamte untere Fläche. An ihrem Ende plante Pfarrer Josef Arians einen Kalvarienberg mit drei großen Kreuzen.

Später entstand oberhalb der bewaldeten Böschung ein neuer Friedhofsteil. Eine Treppe verbindet heute die ältere untere Anlage mit dem oberen Bereich. Dort befinden sich neben klassischen Grabstätten auch Urnengräber in einem Rasenfeld. Von einer Bank aus reicht der Blick über Hinsbeck, die Pfarrkirche und die niederrheinische Landschaf

Das „Bet-Tempelchen“ von 1843

Hinsbecker Friedhofskapelle
Hinsbecker Friedhofskapelle

Schon wenige Jahre nach der Eröffnung des neuen Friedhofs wünschte sich die Hinsbecker Bevölkerung einen geschützten Ort für Gebet und Abschied. Im Jahr 1843 wurde deshalb das sogenannte „Bet-Tempelchen“ errichtet. Fünf Jahre später brachte man an seiner Rückseite ein gegossenes Christusbild an.

Die kleine Kapelle war zunächst offen gestaltet. Erst 1960 wurde sie geschlossen und zu einer Leichenhalle beziehungsweise einem Aufbahrungsraum umgebaut. 1965 kamen zwei farbige Glasfenster des Hinsbecker Glasmalers Johannes Beeck hinzu.

Unter dem Gebäude verbirgt sich eine Besonderheit: eine Priestergruft, die keinen eigenen äußeren Zugang besitzt. Für Beisetzungen musste früher der Fußboden der Kapelle geöffnet werden. Die Gruft wurde seit 1960 nicht mehr betreten. Mehr über das Gebäude, seine Glasfenster und die verborgene Gruft erfährst du auf unserer Seite über die Hinsbecker Friedhofskapelle.

Die Grabstätten der Hinsbecker Geistlichen

Die Geschichte der Priestergräber auf dem Friedhof ist ungewöhnlich. Im Laufe von rund 100 Jahren entstanden gleich mehrere Grabstätten für die Geistlichen der Pfarre.

In der Gruft unter der Friedhofskapelle wurden zunächst die Pfarrer Mathias Josten, Florenz Tönsing und Heinrich Hennigmann sowie der aus Hinsbeck stammende Kaplan Friedrich Wilhelm Berkes beigesetzt.

1903 ließ Pfarrer Dr. Bernhard Ansems auf eigene Kosten eine weitere Priestergruft anlegen. Dazu gehörte ein vom Krefelder Bildhauer Heinrich Nolden geschaffenes Denkmal. Neben Ansems fanden dort zunächst auch die Kapläne Ludwig Mosmann und Heinrich Westerfeld ihre letzte Ruhe.

Pfarrer Josef Arians plante später am Ende des unteren Friedhofsteils einen Kalvarienberg mit drei großen Kreuzen. An deren Fuß sollten weitere Priestergrüfte entstehen. Arians wurde dort 1949 als einziger Geistlicher beigesetzt. Die Kreuze wurden 1952 aufgestellt.

Beim Umbau der Friedhofskapelle im Jahr 1960 wurden Ansems, Mosmann und Westerfeld in die Gruft unter der Kapelle umgebettet. Die frühere Grabstätte von 1903 wurde anschließend den verstorbenen Katharinenschwestern von Schloss Krickenbeck zur Verfügung gestellt.

Die heutige Priestergrabstätte

Priestergrabstätte auf dem Friedhof in Hinsbeck
Priestergrabstätte auf dem Friedhof in Hinsbeck

1984 und 1985 entstand neben der Friedhofskapelle eine neue Priestergrabstätte. Das historische Denkmal von 1903 wurde an diesen Standort versetzt.

Im März 1985 wurde dort zunächst der frühere Hinsbecker Pfarrer Arnold Rulands beigesetzt. Einen Monat später überführte man auch die Gebeine von Josef Arians vom Kalvarienberg in die neue Grabstätte. Im Jahr 2014 kam Pfarrer Ferdinand Landen hinzu, der von 1973 bis 1998 in Hinsbeck gewirkt hatte und auf eigenen Wunsch hier bestattet wurde.

Der Hinsbecker Steinmetz und Bildhauer Manfred Mangold arbeitete anschließend die vorhandenen Grabplatten auf und ergänzte eine weitere Platte mit den Lebens- und Priesterdaten Ferdinand Landens.

Weitere Orte des Gedenkens

Neben den historischen Priester- und Schwesterngräbern befindet sich auf dem Friedhof auch eine Kriegsgräberstätte. Sie erinnert an Menschen unterschiedlicher Herkunft, die während des Zweiten Weltkriegs ums Leben kamen und in Hinsbeck ihre letzte Ruhe fanden.

Ihre Grabstätten gehören zu den dauerhaften Erinnerungsorten des Dorfes. Sie machen deutlich, dass sich hinter den Steinen nicht nur Namen und Jahreszahlen, sondern einzelne Lebensgeschichten und die Folgen von Krieg und Gewaltherrschaft verbergen.

Weitere Informationen findest du auf unserer Seite „Kriegsgräber in Hinsbeck“.

Ein steinernes Gedächtnis des Dorfes

Auf einem Friedhof begegnen sich persönliche Erinnerung und Ortsgeschichte. Viele Familiennamen auf den älteren Grabstätten sind seit Generationen mit Hinsbeck verbunden. Grabmale erzählen von Handwerkern, Landwirten, Geistlichen, Ordensschwestern und Menschen, die das gesellschaftliche Leben des Dorfes mitgestaltet haben.

Gerade der ältere Friedhofsteil bewahrt deshalb mehr als einzelne Gräber. Er zeigt, wie eng Kirche, Dorf und Familienleben früher miteinander verbunden waren. Die Friedhofskapelle, der Kalvarienberg, die Priestergrabstätte und die alten Grabeinfassungen machen diese Entwicklung bis heute sichtbar.

Der Friedhof Hinsbeck ist damit ein stiller, aber besonders aussagekräftiger Ort der Ortsgeschichte – und zugleich ein Platz, an dem Rücksicht, Ruhe und respektvolles Verhalten selbstverständlich sein sollten.

Quellen und weiterführende Informationen

Bildnachweis: