Der Beekhof in Hinsbeck – drei Häuser, ein gemeinsamer Ursprung

Wer heute durch die Hinsbecker Hauptstraße geht, würde wohl kaum vermuten, dass die Häuser mit den Nummern 7, 9 und 11 einmal zu einem einzigen Bauernhof gehörten. Zu unterschiedlich sehen ihre Fassaden aus, zu eigenständig wirken die Gebäude. Und doch bildeten sie früher gemeinsam den Beekhof – einen der landwirtschaftlichen Höfe, die den Hinsbecker Ortskern bis weit ins 19. Jahrhundert prägten.

Standort:
Hauptstraße 7–11
41334 Nettetal-Hinsbeck

Frühere Nutzungen:
Landwirtschaft, Sattlerei und Polsterei, Schlosserei, Eisenwarenhandlung sowie Geschäft für Sämereien und landwirtschaftliche Artikel

Aus dem Bauernhof wurden im Laufe der Zeit zunächst drei Häuser und schließlich sechs Wohneinheiten. Landwirtschaft, Handwerk, Einzelhandel und Wohnen hinterließen dabei ihre Spuren. Die Geschichte des Beekhofes ist deshalb zugleich ein kleines Stück Hinsbecker Ortsgeschichte.

Ein Hof der Familie Beek

Bereits auf einer Karte aus dem Jahr 1729 ist an dieser Stelle ein kleiner Hof mit zwei Gebäuden eingezeichnet. Wer ihn errichtete, lässt sich heute nicht mehr feststellen.

Deutlich mehr wissen wir über den größeren Hof, den Reiner Beek im Jahr 1756 bauen ließ. Er war ein Sohn von Martin Beek vom Fegershof an der Neustraße. Die Familie Beek war in Hinsbeck weit verzweigt und bewirtschaftete noch weitere Höfe, unter anderem in Wevelinghoven, Glabbach und Hombergen.

Der neue Beekhof war als großes Vierständerhaus angelegt. Der Wohnbereich befand sich in der heutigen Hauptstraße 11, der Viehbereich in der Nummer 9 und die große Scheune dort, wo heute das Haus Nummer 7 steht. Was heute wie drei getrennte Grundstücke wirkt, gehörte damals also unter ein gemeinsames Dach.

Als Reiner Beek um 1770 ohne eigene Nachkommen starb, übernahm Josef Pels aus Wankum den Hof. Er war mit Beeks Ehefrau verwandt und erhielt passend zu seinem neuen Besitz den Beinamen „Beek“. Seine Nachkommen bewirtschafteten den Hof noch bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts.

Der Beekhof wird geteilt

Beekhof Hinsbeck
Der Beekhof 2023 | Foto: Heinz Koch

Nach dem frühen Tod Martin Pels-Beeks im Jahr 1814 begann sich das Erscheinungsbild des Hofes grundlegend zu verändern. Die Anlage wurde innerhalb der Familie geteilt. Aus der großen Scheune entstand eine Wohnung, in die Martins Witwe Margaretha Berten mit ihren drei Kindern einzog.

1875 verkauften die Kinder diesen Teil des Hofes an den Sattler- und Polstermeister Peter Michael Schmitz aus Lank. Er betrieb bereits seit 1860 eine Werkstatt in Hinsbeck und verlegte sie nun in das frühere Wirtschaftsgebäude des Beekhofes.

Damit begann für das Haus Nummer 7 ein neues Kapitel: Wo zuvor landwirtschaftliche Vorräte und Geräte untergebracht waren, entstanden nun Pferdegeschirre und Polsterwaren. Auch die schlichte Hofansicht veränderte sich. Die Straßenfront erhielt eine Schmuckfassade mit Blumenornamenten.

1903 übernahm Johann Ferdinand Schmitz, ein Neffe des Firmengründers, den Betrieb. Seine Kundschaft kam nicht nur aus Hinsbeck. Pferdegeschirre und Polsterarbeiten aus der Werkstatt waren auch bei Fuhrleuten zwischen Krefeld und Kleve sowie in den benachbarten Niederlanden gefragt. Zeitweise beschäftigte der Betrieb fünf Hilfskräfte – für einen Handwerksbetrieb im damaligen Hinsbeck eine beachtliche Größe.

Als das Auto dem Pferd Konkurrenz machte

Mit der zunehmenden Verbreitung von Kraftfahrzeugen geriet das traditionelle Sattlerhandwerk jedoch unter Druck. Lastwagen und Traktoren ersetzten nach und nach die Pferdefuhrwerke. Damit verschwanden auch viele der Kunden, die Geschirre reparieren oder neu anfertigen ließen.

Als Wilhelm Schmitz den Betrieb 1937 übernahm, war dieser Wandel bereits deutlich zu spüren. Nur noch wenige Reiter brachten Aufträge in die Werkstatt. Um 1965 wurde der Betrieb schließlich geschlossen.

Die vordere Wohnung blieb zunächst weiterhin genutzt. 1989 erwarb Kurt Heimann das Anwesen und ließ es zu vier Wohneinheiten umbauen. Aus der Scheune des Beekhofes war damit über viele Zwischenstationen endgültig ein Wohnhaus geworden.

Zwei Häuser aus einem Hofteil

Auch der frühere Wohn- und Viehbereich des Beekhofes blieb nicht unverändert. Diesen Teil übernahm zunächst Anna Maria Beek, eine Tochter der Familie, die Mathias Teloy geheiratet hatte.

Ihre Kinder verkauften das Anwesen 1858. Anschließend wurde der Hofteil in zwei getrennte Wohneinheiten aufgeteilt: die heutigen Häuser Hauptstraße 9 und 11.

Beide Straßenfronten erhielten rote Hartklinker, Schmuckelemente und dekorative Zwerchgiebel im Stil des 19. Jahrhunderts. Spätere Umbauten ließen die Gebäude zunehmend eigenständig erscheinen. Ihr gemeinsamer Ursprung ist von außen heute kaum noch zu erkennen.

Das Haus Nummer 11 erwarb zunächst der Hinsbecker Organist und Auktionator Johann Neles. 1921 kam es in den Besitz des Rangierers Theodor Jakobs. Er vererbte es 1955 an seine Töchter Lore und Änne. Nachdem Lore Jakobs 1960 Bernhard Müller geheiratet hatte, verzichtete ihre Schwester auf ihren Erbteil. 1967 wurde die Straßenfront erneut umgestaltet und erhielt ihre heutige Verklinkerung.

Von der Schlosserei zum Samenladen

Das Haus Hauptstraße 9 übernahm um 1885 der Schlosser Johann Föhles. Er war nicht nur Handwerker, sondern auch Ehrenbrandmeister der Hinsbecker Feuerwehr und später Ehrenvorsitzender des VVV Hinsbeck.

In einem schuppenartigen Anbau richtete er eine Werkstatt mit Eisenwarenhandlung ein. Damit setzte sich der Wandel des früheren Bauernhofes fort: Auf Landwirtschaft folgte Handwerk, auf den Viehstall die Schlosserei.

1957 erwarb Eduard Minnaert das Haus. Er eröffnete dort ein Geschäft für haus- und landwirtschaftliche Artikel sowie Sämereien. Viele ältere Hinsbeckerinnen und Hinsbecker dürften sich noch an den Laden erinnern. Minnaert führte ihn bis ins hohe Alter weitgehend selbstständig – selbst mit 89 Jahren stand er noch hinter der Ladentheke.

Der Name Beekhof wird wieder sichtbar

Nach Eduard Minnaerts Tod im Jahr 2008 wurde das Haus Hauptstraße 9 erneut umfassend verändert – diesmal allerdings mit dem Ziel, ältere Bauteile wieder sichtbar zu machen.

Spätere An- und Umbauten wurden weitgehend entfernt und die historische Bausubstanz freigelegt. An der Straßenfront erinnert seitdem ein Schild mit der Aufschrift „Beekhof“ an den Ursprung des Gebäudes.

Im Jahr 2010 wurde das Haus Hauptstraße 9 als Baudenkmal in die Denkmalliste der Stadt Nettetal aufgenommen. Geschützt ist damit nicht der gesamte frühere Hofkomplex, sondern dieses einzelne Gebäude.

Im Inneren haben sich Bauteile aus verschiedenen Jahrhunderten erhalten. Fachwerk, Lehmziegel, Flechtwerk, alte Backsteinverbände, Dielenböden und eine historische Holztreppe zeigen, wie häufig das Haus umgebaut und neuen Bedürfnissen angepasst wurde.

Gerade darin liegt der besondere Reiz des Beekhofes. Er ist kein Gebäude, das zu einem bestimmten Zeitpunkt fertiggestellt wurde und anschließend unverändert blieb. Vielmehr erzählt er Schicht für Schicht von den Menschen, die hier wohnten und arbeiteten.

Vom Bauernhof zum Wohnhaus

Die Geschichte des Beekhofes führt vom landwirtschaftlichen Betrieb über eine Sattlerei, eine Schlosserei und einen Samenladen bis zur heutigen Wohnnutzung.

Was einst als großer Hof begann, verbirgt sich heute hinter drei unterschiedlichen Häuserfassaden. Nur der Name an der Hauptstraße 9 erinnert noch deutlich daran, dass die Gebäude Nummer 7, 9 und 11 einmal zusammengehörten.

Der Beekhof steht damit beispielhaft für den Wandel des Hinsbecker Ortskerns: Aus Bauernhöfen wurden Werkstätten, Geschäfte und Wohnungen – und aus einem einzigen Anwesen ein kleines Stück Dorf, an dem sich mehr als 250 Jahre Geschichte ablesen lassen.

Quellen und weiterführende Informationen zum Beekhof

Heinz Koch: „Der Beekhof im Hinsbecker Zentrum – Aus einem landwirtschaftlichen Hof wurden sechs Wohneinheiten“, Interne Quelle, nicht öffentlich online verfügbar.

Stadt Nettetal: Baudenkmäler in Nettetal 2010 – Übersicht der Stadt Nettetal mit Verlinkung zur Denkmalliste; der Beekhof, Hauptstraße 9, wird dort unter der Denkmalnummer 189 geführt.

Kreisarchiv Viersen: „Karte Amt Hinsbeck von 1729, Teil 11“, Fotosammlung Kreis Viersen, Archivaliensignatur 23247. Reproduktion nach einer Vorlage des Hauptstaatsarchivs Düsseldorf, Karte 2739. Weitere Informationen und Kontakt: Kreisarchiv Viersen bei Archive in NRW.