Der Touppenhof in Hinsbeck – vom kleinen Katenhof zum beliebten Bauerncafé

Manche Hofgeschichten beginnen mit einem stattlichen Bauernhaus, großen Scheunen und weitläufigen Ländereien. Beim Touppenhof war es deutlich bescheidener. Anfang des 19. Jahrhunderts standen in Oirlich lediglich drei kleine Gebäude – eher eine Kate als ein ausgewachsener Bauernhof. Dass sich daraus später ein größerer landwirtschaftlicher Betrieb und schließlich ein weithin bekanntes Bauerncafé entwickelte, hätte damals vermutlich niemand erwartet.

Standort:
Oirlich
41334 Nettetal-Hinsbeck

Frühere Nutzungen:
Landwirtschaftlicher Katen- und Bauernhof sowie Bauerncafé mit Kunstausstellungen

Besonderheiten:
Der ehemalige Kuhstall diente zeitweise als Ausstellungsraum. Das Bauerncafé Künstler entwickelte sich in den 1990er-Jahren aus der Aktion „Erlebnisgemeinschaft Landleben“ und bestand bis 2013.

Ein bescheidener Anfang

Auf einer Karte aus dem Jahr 1812 ist an der Stelle des späteren Touppenhofes eine kleine Hofstelle mit drei Gebäuden eingezeichnet. Solche Katen entstanden häufig, wenn ein größerer Hof einen Teil seines Besitzes für jüngere Familienmitglieder abtrennte. Ganz ohne eigenes Land und eine wirtschaftliche Grundlage sollten schließlich auch sie nicht dastehen.

Im Fall des Touppenhofes führte die Geschichte zur Familie Rütten, die zu dieser Zeit den großen Geenenhof in Oirlich bewirtschaftete. Anna Maria Rütten heiratete 1809 Hermann Matzen, der nicht aus Hinsbeck stammte. In einer Bevölkerungsliste von 1818 werden beide als erste bekannte Bewohner der kleinen Hofstelle genannt.

Aus heutiger Sicht wirkt der Beginn fast unscheinbar: ein junges Ehepaar, drei kleine Gebäude und vermutlich reichlich Arbeit. Doch genau daraus sollte sich ein Hof entwickeln, der Oirlich über viele Generationen prägte.

Der Hof bekommt seinen Namen

1838 übernahm Johann Mathias Matzen, der zweitälteste Sohn der Familie, den elterlichen Betrieb. Drei Jahre später heiratete er Anna Maria Genkes. Das gemeinsame Leben auf dem Hof dauerte jedoch nur kurz: Johann Mathias Matzen starb noch vor der Geburt seines ersten Kindes.

Für seine Witwe war der landwirtschaftliche Betrieb allein kaum zu bewältigen. Im Jahr 1843 heiratete sie deshalb Johann Gerhard Touppen. Mit ihm begann nicht nur ein neuer Abschnitt der Familiengeschichte – auch der Hof erhielt den Namen, unter dem er bis heute bekannt ist.

Das Ehepaar kaufte im Laufe der Jahre zusätzliche Ackerflächen und vergrößerte den zunächst kleinen Betrieb. Aus der früheren Kate wurde nach und nach ein richtiger Bauernhof. Der Familienname Touppen blieb dabei so eng mit dem Anwesen verbunden, dass er selbst dann weiterlebte, als längst andere Familien dort wohnten.

Vier Geschwister und kein Hoferbe

Als Johann Gerhard Touppen 1901 starb, ging der Hof gemeinsam an seine vier noch lebenden Kinder: Peter Johann, Catharina Agnes, Maria Emilie und Catharina Touppen.

Dass ein Hof auf mehrere Kinder überging, war zunächst nichts Ungewöhnliches. In diesem Fall stellte sich jedoch irgendwann eine entscheidende Frage: Wer sollte ihn später übernehmen? Keines der vier Geschwister heiratete, eigene Nachkommen gab es nicht.

Die beiden zuletzt noch lebenden Schwestern Emilie und Catharina entschieden sich deshalb für eine besondere Lösung. Sie übertrugen den Touppenhof der katholischen Pfarrgemeinde Hinsbeck. Ganz aus der Hand geben wollten sie die Zukunft des Anwesens allerdings nicht. In ihrem Testament legten sie fest, dass die Gebäude und Grundstücke nach dem Tod der letzten Schwester zu günstigen Bedingungen an die Witwe Houbers aus dem Sassenfeld oder deren Kinder verpachtet werden sollten.

So wechselte der Hof zwar seinen Eigentümer, seine weitere Nutzung blieb aber bereits vorausschauend geregelt.

Die Familie Künstler übernimmt den Touppenhof

1939 konnten Maria Houbers und ihr Ehemann Wilhelm Künstler den Touppenhof samt zugehörigem Land pachten. Damit begann die Verbindung der Familie Künstler mit dem Anwesen.

Im Jahr 1954 kaufte das Ehepaar der Kirchengemeinde die Hofgebäude und den Obstgarten ab. Die größeren Ackerflächen blieben zunächst im Besitz der Pfarre. Wilhelm Künstler pachtete zusätzliches Land hinzu und führte den Touppenhof weiterhin als landwirtschaftlichen Betrieb.

1983 übernahm sein Sohn Hans Willi Künstler gemeinsam mit seiner Frau Margret den Hof. Weil er hauptberuflich in einem Betonwerk in Süchteln beschäftigt war, wurde die Landwirtschaft nun im Nebenerwerb weitergeführt. Wie bei vielen kleineren Höfen musste sich auch hier die Nutzung den veränderten wirtschaftlichen Bedingungen anpassen.

Doch auf dem Touppenhof entstand bald eine Idee, die dem Anwesen noch einmal ein völlig neues Kapitel bescheren sollte.

Kaffee im Innenhof und Kunst im Kuhstall

In den 1990er-Jahren beteiligten sich zahlreiche Höfe aus Oirlich und Büschen an der „Erlebnisgemeinschaft Landleben“. Besucherinnen und Besucher sollten Landwirtschaft nicht nur vom Vorbeifahren kennen, sondern unmittelbar erleben können.

Auch die Familie Künstler öffnete ihren Hof. Im Innenhof wurde Kaffee ausgeschenkt, und im ehemaligen Kuhstall fanden Kunstausstellungen statt. Wo früher Vieh stand, hingen nun Bilder; wo landwirtschaftliche Arbeit den Tagesablauf bestimmte, saßen Gäste bei Kaffee und Kuchen zusammen.

Die Kombination kam an. Bereits bei der Veranstaltung 1995 wurden rund 2.500 Cafébesucher gezählt. Beim letzten „Landleben“ im Jahr 1998 waren es etwa 4.000. Der Touppenhof hatte sich damit vom landwirtschaftlichen Nebenerwerbsbetrieb zu einem beliebten Treffpunkt entwickelt.

Aus der zunächst nur für einzelne Aktionstage gedachten Bewirtung entstand schließlich das Bauerncafé Künstler. Es wurde über Jahre zu einem bekannten Ausflugsziel in Oirlich. Selbst der Flächennutzungsplan der Stadt Nettetal führte es 2004 ausdrücklich als Gastronomiebetrieb im Außenbereich. s eng war die Verbindung zum benachbarten Oirlicher Blumengarten. Bei den bekannten Schneeglöckchentagen sorgte das Bauerncafé für die Bewirtung der Besucher. Wer seltene Frühjahrsblüher bestaunt hatte, konnte anschließend nebenan einkehren – eine Verbindung, die Gartenfreunde und Kuchenfreunde gleichermaßen zu schätzen wussten. nde des Bauerncafés

Nach 16 Jahren endete 2013 die Geschichte des Bauerncafés Künstler. Damit verschwand ein Ausflugsziel, an das sich viele Menschen aus Hinsbeck und der Umgebung noch erinnern dürften.

Die Gebäude blieben jedoch erhalten und wurden zu modernen Wohnungen umgestaltet. Damit setzte sich ein Wandel fort, der sich bei vielen alten Höfen beobachten lässt: Landwirtschaftliche Betriebe werden kleiner oder geben auf, Stallungen verlieren ihre ursprüngliche Aufgabe und ehemalige Wirtschaftsgebäude erhalten eine neue Nutzung.

Ein Hof mit mehreren Leben

Der Touppenhof hat in gut zwei Jahrhunderten erstaunlich viele Veränderungen erlebt. Er begann als kleine Kate, wuchs unter der Familie Touppen zu einem größeren Bauernhof heran, wurde über Generationen von der Familie Künstler bewirtschaftet und entwickelte sich später zum beliebten Bauerncafé mit Kunst im ehemaligen Kuhstall.

Heute wird auf dem Anwesen weder Landwirtschaft betrieben noch Kaffee ausgeschenkt. Dennoch bleibt seine Geschichte ablesbar. Der Touppenhof zeigt, wie sich ein Hof immer wieder an neue Zeiten anpassen kann – und dass aus drei kleinen Gebäuden durchaus einmal ein Ort werden kann, an den sich Tausende Besucher gerne erinnern.

Quellen und weiterführende Informationen

  • Heinz Koch: „Vom Touppenhof zur modernen Wohnstätte“. Hauptquelle zur Geschichte des Hofes, zu den Familien Matzen, Touppen und Künstler sowie zur Entwicklung des Bauerncafés. Interne Quelle.
  • BürgerZeitung für Mönchengladbach und Umland: „2. Nettetaler Schneeglöckchentage“, veröffentlicht am 29. Februar 2008. Der zeitgenössische Bericht nennt das benachbarte Bauerncafé Künstler als Bewirtungsort der Veranstaltung.

Alle Internetquellen zuletzt abgerufen am 28. Juli 2026.