Kneppenhof Hinsbeck 1994

Der Kneppenhof

Ein landwirtschaftlicher Hof, eine Herberge, eine Gaststätte, eine Bäckerei, ein Kolonialwarengeschäft, eine Diskothek, eine Flüchtlingsunterkunft und schließlich ein Wohnprojekt: Der Kneppenhof in der Hinsbecker Honschaft Glabbach hat in seiner langen Geschichte mehr Nutzungen erlebt als manch ganzes Dorf.

Der Kneppenhof: Vom Bauernhof zum „Knepp“ und schließlich zum Wohnquartier

Ein landwirtschaftlicher Hof, eine Herberge, eine Gaststätte, eine Bäckerei, ein Kolonialwarengeschäft, eine Diskothek, eine Flüchtlingsunterkunft und schließlich ein Wohnprojekt: Der Kneppenhof in der Hinsbecker Honschaft Glabbach hat in seiner langen Geschichte mehr Nutzungen erlebt als manch ganzes Dorf.

Viele Menschen aus Hinsbeck und der Umgebung verbinden den Namen vor allem mit dem „Knepp“, der früheren Diskothek an der heutigen Adresse Glabbach 18. Doch die Geschichte des Ortes begann lange bevor dort Musik aus Lautsprechern dröhnte und am Wochenende getanzt wurde.

Standort:
Glabbach 18
41334 Nettetal-Hinsbeck

Frühere Nutzungen:
Bauernhof, Herberge, Gaststätte, Bäckerei, Kolonialwarenladen und Diskothek

Heute:
Wohnquartier Kneppenhof

Eigentlich müsste er Knippenhof heißen

Kneppenhof Hinsbeck 1994
Der Kneppenhof 1994. Foto: Heinz Koch

Die Geschichte des Kneppenhofs lässt sich mindestens bis in das Jahr 1768 zurückverfolgen. Damals gehörte er der Familie Knippen. Streng genommen müsste das Anwesen daher eigentlich „Knippenhof“ heißen. Im Laufe der Zeit setzte sich jedoch die heute bekannte Schreibweise durch.

Der Hof war schon früh mehr als ein gewöhnlicher landwirtschaftlicher Betrieb. In einer französischen Bevölkerungsliste aus dem Jahr 1801 wird er als Herberge geführt. Reisende konnten hier offenbar nicht nur einkehren, sondern auch übernachten. Der letzte Angehörige der Familie Knippen auf dem Hof, Peter Knippen, wurde sowohl als Landwirt als auch als Schankwirt bezeichnet. Landwirtschaft und Gastlichkeit gehörten am Kneppenhof also bereits zusammen, als an Diskotheken noch nicht einmal im Entferntesten zu denken war.

Ein wichtiger Treffpunkt für Glabbach

Der damalige Besitz bestand aus zwei Wohneinheiten: dem eigentlichen Hof und einem benachbarten Haus, zu dem ein separates Gebäude mit einer Restauration gehörte. Nach dem Ende der Familie Knippen ging das Anwesen an die Familie Föhles über.

Während auf dem einen Teil weiterhin Landwirtschaft betrieben wurde, entstanden im anderen neben der Gaststätte eine Bäckerei und ein Kolonialwarengeschäft. Dort konnten die Menschen Waren wie Kaffee, Tee, Reis, Gewürze oder Tabak kaufen – Dinge also, die im ländlichen Alltag nicht an jeder Ecke erhältlich waren.

Der Kneppenhof war damit Hof, Herberge, Gaststätte, Geschäft und Versorgungsstelle zugleich.

Wie wichtig die Wirtschaft für die umliegende Bauernschaft war, zeigt eine Bemerkung des Hinsbecker Bürgermeisters Christian Nimmendorff aus dem Jahr 1838. Bei der Erteilung einer Konzession wies er darauf hin, dass die Gaststätte für die bedeutende Bauernschaft Glabbach wichtig sei. Bis zum Hinsbecker Dorf seien es immerhin 25 bis 30 Minuten Fußweg gewesen.

Wer damals in Glabbach lebte und ein Bier trinken, etwas einkaufen oder Neuigkeiten erfahren wollte, musste also nicht unbedingt erst bis ins Dorf laufen.

Pächter, Schützenkönige und ein abgebrannter Hof

Da direkte Erben fehlten, gelangte der Kneppenhof um 1880 an Anna Margareta Föhles. Sie war zugleich Erbin des Pauelsenhofs an der Oberstraße im Hinsbecker Ortskern. Weil ihre Familie den dortigen Hof selbst bewirtschaftete, wurde der Kneppenhof fortan verpachtet.

Erster Pächter war Anton Janssen. Er führte sowohl die Landwirtschaft als auch die Gaststätte weiter und war zudem eng mit dem Glabbacher Schützenwesen verbunden. 1872 wurde er Schützenkönig der Glabbacher Schützengesellschaft, zehn Jahre später errang er die Königswürde ein zweites Mal.

Nach seinem Tod im Jahr 1894 übernahm Peter Leonhard Wolters den Kneppenhof. Zuvor hatte er den Wenkumshof in Glabbach bewirtschaftet. Als dieser im selben Jahr abbrannte und gleichzeitig der Kneppenhof frei wurde, wechselte Wolters auf das Anwesen. Dort führte er Landwirtschaft und Schankwirtschaft bis zu seinem Tod im Jahr 1920 weiter.

Danach blieb die Gaststätte zunächst für einige Jahre geschlossen. Später übernahmen Maria Helena Wolters und ihr Ehemann Johann Mathias Thönes den Betrieb. 1929 wechselten sie auf den Groß-Jennenhof, und auf dem Kneppenhof begann die Zeit der Familie Funken.

Vom Bauernhof zur Diskothek

Paul Heinrich Funken und Johanna Catharina Dammer übernahmen 1929 sowohl die Landwirtschaft als auch die Schankwirtschaft. 1956 folgte ihr Sohn Heinrich Funken junior, der den Hof gemeinsam mit seiner Frau Mechtilde, genannt Tilde, weiterführte.

Doch nach dem Tod Heinrich Funkens wollte keines der drei Kinder die Landwirtschaft übernehmen. Für viele alte Höfe bedeutete eine solche Situation das Ende. Auf dem Kneppenhof führte sie dagegen zunächst zu einem ausgesprochen ungewöhnlichen Neuanfang.

1969 richteten die Brüder Wolfgang und Karl Heinz Funken in den Gebäuden eine Diskothek ein. Sie hieß zunächst „Diskothek Funken“, später „Diskothek Funken-Kneppenhof“. Im allgemeinen Sprachgebrauch genügte bald ein einziges Wort: der „Knepp“.

Wo früher Kühe standen, Brot gebacken und Reisende bewirtet worden waren, wurde nun getanzt. Der alte Hof entwickelte sich zu einem weithin bekannten Treffpunkt für junge Menschen aus Hinsbeck und der Umgebung.

Auch die Diskothek blieb nicht unverändert. Die Brüder Funken bauten den Betrieb mehrfach um und erweiterten ihn. Um 1980 kamen unter anderem ein Speiserestaurant und ein Terrassencafé hinzu. Der Kneppenhof blieb damit seiner alten Tradition treu: Er war weiterhin ein Ort, an dem Menschen zusammenkamen – nur hatten sich Musik, Kleidung und Öffnungszeiten erheblich verändert.

Als die Zeit der Landdiskotheken endete

Mit den Jahren wurde es jedoch immer schwieriger, eine große Diskothek auf dem Land wirtschaftlich zu betreiben. Umbauten und Modernisierungen konnten den Wandel im Freizeitverhalten nicht dauerhaft aufhalten.

Die finanziellen Belastungen nahmen zu. Um das Jahr 2010 war die Verschuldung schließlich so groß, dass die Ländereien des einst umfangreichen Kneppenhofs nach und nach verkauft oder versteigert werden mussten. Damit endete die jahrhundertelange Verbindung von Landwirtschaft und Gastronomie an diesem Ort.

Die Gebäude blieben jedoch bestehen – und mit ihnen die Frage, wie das weitläufige Anwesen künftig genutzt werden sollte.

Vorübergehend eine Unterkunft für Geflüchtete

2016 beschloss die Stadt Nettetal, den ehemaligen Diskothekenkomplex als Unterkunft für geflüchtete Menschen herzurichten. Vorgesehen war eine Belegung mit höchstens 120 Personen, möglichst überwiegend mit Familien. Das Vorhaben führte in Glabbach zu kontroversen Diskussionen und Protesten. Rund 85 Zuschauer verfolgten damals eine politische Beratung im voll besetzten Ratssaal.

Dass der Kneppenhof anschließend tatsächlich als Unterkunft genutzt wurde, belegt ein Bericht aus dem Jahr 2017. Bewohner beteiligten sich gemeinsam mit ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern an der Aktion „Nettetal putzt sich raus“. Dabei wurde das Gelände gepflegt und für die dort lebenden Kinder eine Freifläche zum Spielen hergerichtet.

Für einige Jahre erhielt der Kneppenhof damit erneut eine völlig neue Aufgabe. Aus dem früheren Bauernhof und der späteren Diskothek wurde vorübergehend ein Wohn- und Zufluchtsort.

Das Quartier Kneppenhof

Im Jahr 2019 wurde eine Projektgesellschaft gegründet, deren Zweck ausdrücklich die Entwicklung der Immobilie Kneppenhof umfasste. Wenig später wurde das Gelände unter dem Namen „Quartier Kneppenhof“ als Wohnprojekt entwickelt und vermarktet.

Angebote aus dem Jahr 2021 beschrieben Reihenhäuser und Wohnungen unterschiedlicher Größe. Einige Einheiten wurden barrierefrei oder seniorengerecht geplant. Vorgesehen waren Terrassen, Gärten, gemeinschaftlich genutzte Innenhöfe und Stellplätze.

Besonders hervorgehoben wurde die Verbindung zwischen erhaltener historischer Bausubstanz und modernen Innenräumen. Bei der Gesamtzahl der geplanten Einheiten widersprechen sich die damaligen Anzeigen geringfügig: Eine nennt 13, andere nennen 14 Wohneinheiten mit Größen zwischen etwa 80 und 150 Quadratmetern. Treffend lässt sich daher von rund 14 Wohneinheiten sprechen.

Der Name des historischen Hofes blieb damit erhalten – obwohl sich seine Nutzung erneut grundlegend veränderte.

Der Kneppenhof – Ein Ort, der sich immer wieder neu erfunden hat

Die Geschichte des Kneppenhofs ist weit mehr als die Geschichte eines einzelnen Gebäudes. Sie erzählt zugleich von Veränderungen im ländlichen Leben.

Aus einem Bauernhof wurde eine Herberge. Zur Landwirtschaft kamen Gaststätte, Bäckerei und Geschäft. Später verdrängten Tanzfläche und Musik die ursprüngliche Nutzung. Nach dem Ende der Diskothek boten die Gebäude vorübergehend geflüchteten Menschen ein Dach über dem Kopf. Schließlich begann mit dem Quartier Kneppenhof ein neues Kapitel als Wohnstandort.

Nur eines blieb über mehr als zwei Jahrhunderte nahezu unverändert: Der Kneppenhof war immer ein Ort, an dem Menschen zusammenkamen, lebten, arbeiteten, feierten oder für eine Zeit ein Zuhause fanden.

Quellen und weiterführende Informationen zum Kneppenhof

Historische Hauptquelle
  • Heinz Koch: „Der Kneppenhof in Hinsbeck-Glabbach. Von der Landwirtschaft mit Restauration zur ‚Diskothek Funken-Kneppenhof‘.“ Grundlage für die Geschichte des Hofes vom 18. Jahrhundert bis zum Ende der Diskothek. Interne Quelle, nicht öffentlich online verfügbar.
Bildnachweis
  • Titelbild: Der Kneppenhof 1994 | Heinz Koch
Standort und frühere Nutzung
Nutzung als Flüchtlingsunterkunft
  • Ulrich Rentzsch: „Disco war früher“, Extra-Tipp am Sonntag, 8. April 2016.
    Bericht über die politische Entscheidung, die ehemalige Diskothek als Flüchtlingsunterkunft herzurichten, und die Proteste in Glabbach.
  • Ulrich Rentzsch: „Die Baustelle“, Extra-Tipp am Sonntag, 2. August 2016.
    Bericht über die Umbauarbeiten am früheren Diskothekengebäude und die Diskussion um die baurechtliche Genehmigung.
  • Redaktion: „Auch der Kneppenhof wurde geputzt“, Extra-Tipp am Sonntag, 7. Juni 2017.
    Bericht über die Nutzung als Flüchtlingsunterkunft und eine gemeinsame Pflegeaktion von Bewohnern und ehrenamtlichen Helfern.
Entwicklung zum Quartier Kneppenhof

Alle Internetquellen zuletzt abgerufen am 28. Juli 2026. Die Angaben zum Quartier Kneppenhof stammen teilweise aus früheren Immobilienanzeigen und geben den damaligen Planungs- und Vermarktungsstand wieder.