Geschichte des Kreuzes und Rückblick auf die Restaurierung
Rede von Ralf Hendrix zur Einweihung des Kreuzes | Um 1850 ließ Gräfin Auguste von Schaesberg, geb. Freiin von Loe, Witwe des Hinsbecker Bürgermeisters Heinrich Edmund Graf von Schaesberg, dieses Kreuz erstellen. Es erinnert an ein Unglück, dem sie nur knapp entging. Auf der Fahrt vom Schloss zur Hinsbecker Kirche geriet Gräfin Auguste mit ihrer Kutsche in ein schweres Gewitter. In der Höhe der Stelle, an der heute das Kreuz steht, schlug ein Blitz in einen Baum ein und brach einen sehr starken Ast ab. Dieser stürzte genau hinter der Kutsche auf die Straße. Pferde, Kutscher und Gräfin blieben unverletzt. Aus Dankbarkeit stiftete Gräfin Auguste das Wegekreuz. Über Jahrzehnte stand das Kreuz nun am Straßenrand, selbst die Sprengung eines dahinter liegenden Bunkers nach dem 2. Weltkrieg hatte es überstanden. Doch bei der Anlegung des Radweges musste es ca. 1985 um einige Meter nach hinten an seinen heutigen Platz versetzt werden.
Das alte Kreuz war durch eindringende Feuchtigkeit im Fußbereich so stark beschädigt, dass es nicht mehr standfest war. Bei der Demontage im Jahr 2015 wurde festgestellt, dass auch der über 150 Jahre alte Korpus stark angefault war und dringend restauriert werden musste. Diese Arbeit übernahm der Diplom-Restaurator Matthias Sandmann, ein bekannter Restaurator, der u.a. auch die Renovierung der alten Kanzel im Aachener Dom und den Portalen des Kölner Doms durchführte. In Hinsbeck restaurierte er vor einigen Jahren die rund 250 Jahre alte Eingangstüre zum „Pauelsenhof“ (Schmedders-Thüner an der Oberstraße).
Nach der Beseitigung der Farbschichten wurde das ganze Ausmaß der Schäden sichtbar. Insbesondere am Rücken, wo der Korpus Kontakt mit dem Kreuz und somit mit der Feuchtigkeit hatte, sowie in den Achselhöhlen war das Holz vollständig weggefault. Zusätzlich war durch Löcher im Oberteil Feuchtigkeit in das Holzinnere eingedrungen. Wegen des luftdichten Anstrichs konnte das Holz nicht trocknen, Pilze verrichteten auch hier ihre Arbeit. Bereits früher muss der Korpus mindestens zweimal repariert worden sein, wie Gipsauffüllungen zeigten. Diese wurden nun entfernt, so dass der Oberkörper im Grunde nur noch eine Hülle war, wie eine Nussschale. Mit rund 30 Zentimeter langen rostfreien Stahlstangen wurden nun die Arme mit dem Oberkörper verbunden, die Hohlräume aufgefüllt und die Löcher in der Hülle künstlerisch ausgeglichen.
Der Restaurator beschreibt den Korpus so: „Der Korpus ist eine schöne Arbeit aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Gesicht, Füße und Hände sind filigran erarbeitet. Auch Haare und Lendenschurz sind sorgfältig ausgearbeitet und realistisch dargestellt.“
Da der Korpus aus weichem Lindenholz besteht, welches ideal für Schnitzarbeiten, aber nicht für die Anbringung im Außenbereich ist, erhält es nach Rücksprache mit dem Landeskonservator ein schützendes Dach sowie einen rückwärtigen Schutz, wie sie insbesondere von Wegekreuzen in Bayern bekannt sind. Dies entspricht zwar nicht mehr dem Original, ist aber zur dauerhaften Erhaltung dringend notwendig. Die auf einer Platte über dem Korpus angebrachte Inschrift „INRI“ wurde so übernommen, wie sie in der untersten Farbschicht aus dem 19. Jahrhundert noch sichtbar war.
Der Hinsbecker Schreinermeister Dieter van de Ven erstellte das neue Eichenkreuz sowie den Wetterschutz. Gemeinsam mit Lehrling Max Osterkamp hat er vor kurzem das restaurierte Kreuz wieder am alten Ort aufgestellt. Die gesamte Finanzierung des Projektes übernahm der Eigentümer des Grundstücks, die Golfanlage Haus Bey GmbH & Co. KG, die damit zum Erhalt dieses christlichen Kleinods beiträgt.
Die Nachbarschaft Hombergen kümmert sich weiterhin um das Kreuz. Als „Pflegepatin“ stellt sich die Künstlerin Elisabeth Harmes zur Verfügung. Sie kümmert sich um die Pflege des Kreuzes und sorgt für Blumenschmuck. Somit ist gewährleistet, dass das restaurierte Kreuz eine optimale Pflege erhält. Bis zum nächsten Rochusfest ist noch die Aufstellung einer Ruhebank sowie die Anbringung eines Schildes mit der Geschichte des Kreuzes geplant.
