Chronik des VVV Hinsbeck
Die ersten Anfänge: der Hinsbecker Verschönerungsverein von 1902
Bereits im Dezember 1902 gründeten engagierte Hinsbecker den ersten Verein, der sich gezielt mit der Entwicklung und Verschönerung des Ortes beschäftigen sollte. Aus den damaligen Berichten wird deutlich, dass es von Anfang an nicht nur um ein schöneres Ortsbild ging. Ebenso wichtig waren bessere Lebensverhältnisse, ein enger Austausch innerhalb der Bürgerschaft und eine stärkere Zusammenarbeit mit den Behörden.
Aus dem zunächst geplanten reinen Verschönerungsverein wurde deshalb schon früh ein breiter angelegter Bürgerverein. Sein Ziel war es, den Ort und seine Umgebung aufzuwerten, bestehende öffentliche Einrichtungen zu verbessern und neue, für die Allgemeinheit nützliche Angebote anzustoßen. Auch wirtschaftliche Fragen spielten bereits eine Rolle, etwa die Hoffnung auf bessere Perspektiven für die Arbeiterschaft.
Zu den prägenden Persönlichkeiten dieser Gründungsphase gehörten unter anderem Dr. med. Ludwig Meyer als Vorsitzender, Heinrich Rollbrocker als stellvertretender Vorsitzender, Lehrer Mathias Linxen als Schriftführer und Johann Dreessen als Rendant. Schon kurz nach der Gründung schlossen sich dem Verein zahlreiche Mitglieder an.
Die eingereichten Statuten vom 17. Dezember 1902 nennen als Vereinszweck ausdrücklich die „Hebung und Verschönerung des Ortes und dessen Umgebung“. Gleichzeitig zeigen sie, wie modern der Gedanke bereits damals war: Der Verein verstand sich als Impulsgeber für öffentliche Verbesserungen, immer im Zusammenwirken mit der Ortsbehörde.
Welche konkreten Maßnahmen in den ersten Jahren direkt auf den Verein zurückgingen und welche vom Gemeinderat beschlossen wurden, lässt sich heute nicht mehr in jedem Fall eindeutig trennen. Für die Zeit um 1905 sind jedoch mehrere Aktivitäten überliefert: die Anschaffung neuer Ruhebänke, die Reparatur der Badeanstalt, Überlegungen zu einer Baumallee auf die Höhen sowie der Bau einer alkoholfreien Wirtschaft. Auch der Gedanke, Hinsbeck als Luftkurort zu positionieren, tauchte bereits damals auf.
Wie lange dieser erste Verein in seiner ursprünglichen Form aktiv war, ist nicht genau dokumentiert. Sicher ist jedoch, dass er 1907 noch existierte. Ein zeitgenössischer Brief belegt sogar, dass es zu dieser Zeit bereits zwei unterschiedliche Hinsbecker Verschönerungsvereine gab.
Der Neuanfang 1907: Gründung des heutigen Verkehrs- und Verschönerungsvereins
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entdeckten immer mehr Ausflügler und Feriengäste die landschaftliche Schönheit der Hinsbecker Höhen. Gruppen aus der Region reisten an, Gasthäuser warben mit der besonderen Lage, und Hinsbeck wurde zunehmend als attraktives Ausflugsziel wahrgenommen. Gleichzeitig wurde klar: Wer den Fremdenverkehr ausbauen wollte, musste Wege, Bänke, Aussichtspunkte und Infrastruktur verbessern.
Im Herbst 1907 gründete Bürgermeister August Färvers deshalb einen neuen Verschönerungsverein. Ihm schlossen sich vor allem Wirte, Handwerker und Gewerbetreibende an, die sich von einer touristischen Entwicklung auch wirtschaftliche Impulse erhofften.
Der erste Vorstand des neuen Vereins
Zum Vorstand gehörten unter anderem Bürgermeister Färvers als Vorsitzender, Johann Compans als Stellvertreter, Hubert Schommer als Schriftführer, Heinrich Janßen als Rendant sowie weitere Vertreter aus Bäckerei, Gastronomie und Handel. Die Zusammensetzung zeigt deutlich: Der neue Verein war eng mit dem wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Leben des Ortes verbunden.
Erste Projekte auf den Hinsbecker Höhen
Schon in den ersten Monaten wurde der Verein sehr aktiv. Um eine finanzielle Grundlage zu schaffen, stellte man Sammelbüchsen in Gaststätten auf und organisierte Benefizveranstaltungen. Gleichzeitig wurden Fachleute aus Steyl um Beratung gebeten, um die Hinsbecker Höhen gestalterisch aufzuwerten. Daraufhin wurden Arbeiter eingestellt, die unter fachlicher Anleitung Veränderungen auf den Höhen vornahmen.
Weitere Maßnahmen waren die Mitgliederwerbung in mehreren Bezirken, Gespräche mit Grundstückseigentümern über neue Spazierwege sowie die Erneuerung von Bänken, Schildern und Wegweisern. All dies verfolgte ein klares Ziel: Hinsbeck sollte für Besucher angenehmer, gastlicher und attraktiver werden.
Erste Übernachtungsmöglichkeiten und Gastronomie
Mit dem wachsenden Interesse auswärtiger Gäste entstanden auch die ersten Unterkünfte für Sommerfrischler. Zwar waren die Kapazitäten zunächst noch überschaubar, doch Hinsbeck machte damit einen wichtigen Schritt in Richtung organisierter Fremdenverkehr. Hinzu kam eine für einen kleinen Ort bemerkenswert große Zahl an Gaststätten und Sälen, die sowohl Einzelgäste als auch größere Gruppen aufnehmen konnten.
Das erste Bergfest 1908
Einen besonderen Schub erhielt der Verein durch das erste große Bergfest im Juli 1908. Das mehrtägige Volksfest auf den Hinsbecker Höhen bot Musik, Spiele, turnerische Vorführungen, Verkaufsstände und geselliges Beisammensein. Es zog mehrere tausend Besucher an und brachte dem Verein einen beachtlichen finanziellen Überschuss. Dieser Erfolg war nicht nur wirtschaftlich wichtig, sondern auch ein starkes Signal: Hinsbeck konnte Menschen anziehen und sich als Ausflugsziel profilieren.
Schankbude, Reiseführer und Kaiser-Wilhelm-Allee
In den Jahren danach folgten weitere wichtige Projekte. Eine Schankbude auf den Höhen wurde zunächst von der Gemeinde bereitgestellt und später vom Verein übernommen. Zudem gab der Verein einen gedruckten Führer durch Hinsbeck und seine Umgebung heraus, der Geschichte, Sehenswürdigkeiten und Werbeanzeigen verband.
Ein lange diskutiertes Vorhaben war die Verschönerung des Weges vom Ort hinauf zu den Höhen. 1912/13 wurde daraus schließlich eine Baumallee aus jungen Akazien, die als „Kaiser-Wilhelm-Allee“ angelegt wurde. Sie galt als repräsentativer Zugang zu den Höhen und wurde in den Zeitungen als besondere Zierde des Ortes beschrieben.
Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs kamen die Vereinsaktivitäten weitgehend zum Erliegen.
Zwischen Aufbruch und Stillstand: der Verein zwischen den Weltkriegen
Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs war die Lage in Hinsbeck zunächst von politischen und verwaltungstechnischen Unsicherheiten geprägt. Die belgische Besatzung und häufige Wechsel in der Gemeindeverwaltung erschwerten eine kontinuierliche Vereinsarbeit erheblich.
Erste Wiederbelebung ab 1924/1926
Erst Mitte der 1920er-Jahre finden sich wieder deutliche Spuren der Vereinsarbeit. 1924 beantragte der Verein neue Ruhebänke auf den Höhen. 1926 kam es schließlich zu einer Generalversammlung mit 44 Mitgliedern, bei der der Vorstand neu aufgestellt wurde. Unter dem Vorsitz von Bürgermeister Kuhn nahm der Verein seine Arbeit mit frischem Schwung wieder auf.
Beschlossen wurden die Erneuerung von Bänken, Wegen, Wegweisern und Schildern, gezielte Werbung in regionalen Zeitungen sowie die Forderung nach einer besseren Busverbindung von Lobberich nach Hinsbeck. Gerade dieser Punkt war für den Fremdenverkehr von großer Bedeutung, denn die schwierige Erreichbarkeit bremste die Entwicklung des Ortes über Jahre aus.
Die Sennhütte und der neue Name VVV
1927 erhielt die Hinsbecker Schweiz mit der Sennhütte wieder eine Waldrestauration, die sich schnell zu einem beliebten Treffpunkt entwickelte. Im selben Jahr wurde auf einer großen Werbeveranstaltung deutlich, dass es nicht mehr nur um Ortsverschönerung ging. Verkehr, Erreichbarkeit und Gästeorientierung spielten nun eine ebenso große Rolle. Deshalb entschied man sich, den Vereinsnamen in Verkehrs- und Verschönerungsverein (VVV) zu ändern.
Bergfest, Werbung und touristischer Ausbau
1928 veranstaltete der VVV wieder ein großes Bergfest. Die Planungen waren aufwendig und professionell: Zelte, Musik, Bewirtung, Werbung, Sicherheitsdienst, Kirmesstände und Vereinsbeteiligung waren genau organisiert. Das Fest knüpfte an frühere Erfolge an und machte deutlich, dass der Verein wieder handlungsfähig war.
In den 1930er-Jahren setzte der VVV verstärkt auf Werbung. Faltblätter, Sonderhefte und Anzeigen in regionalen Zeitungen sollten Gäste auf die „Hinsbecker Schweiz“ aufmerksam machen. Die Wirkung blieb nicht aus: Besucher- und Übernachtungszahlen stiegen, und der Fremdenverkehr gewann an Bedeutung.
Naturschutz und Aufwertung des Ortsbildes
Parallel dazu kümmerte sich der VVV um die Verschönerung des Ortsbildes, die Pflege von Wanderwegen und Aussichtspunkten sowie um neue Anlagen und Bänke. Auch die Umgebung des Kreuzbergs und des Kriegerdenkmals wurde instand gesetzt.
Ein wichtiges Thema wurde 1936 das Naturschutzgebiet rund um die Krickenbecker Seen. Teile der Hinsbecker Landschaft wurden unter Schutz gestellt. Für Hinsbeck bedeutete dies einerseits Einschränkungen, andererseits aber auch eine Aufwertung der einzigartigen Naturkulisse, die für den Fremdenverkehr immer wichtiger wurde.
Politische Vereinnahmung in der NS-Zeit
Die politischen Umbrüche ab 1933 gingen auch am VVV nicht spurlos vorbei. Die Gleichschaltung der Vereine, personelle Eingriffe und die enge Verflechtung mit örtlichen NS-Strukturen veränderten auch die Vereinsarbeit. Feste und Veranstaltungen wurden teilweise gemeinsam mit Parteiorganisationen durchgeführt. Diese Phase gehört zur Geschichte des Vereins dazu und zeigt, wie sehr örtliches Leben damals von politischen Vorgaben geprägt wurde.
Trotzdem blieb der praktische Einsatz für Wanderwege, Bänke, Beschilderung und touristische Angebote bestehen. Der Ort wurde weiter beworben, die Infrastruktur ausgebaut und das Ortsbild gezielt gestaltet. Mit dem Zweiten Weltkrieg brachen die Aktivitäten jedoch erneut weitgehend zusammen.
Die Badeanstalt Hinsbeck: ein Schlüsselprojekt für Freizeit und Fremdenverkehr
Ein zentrales Kapitel der Hinsbecker Tourismusgeschichte ist die Badeanstalt an den Krickenbecker Seen. Bereits 1902 gab es erste Hinweise auf eine einfache Badeeinrichtung mit Umkleidemöglichkeit am Seeufer. Nach dem Ersten Weltkrieg erkannte die Gemeinde dann deutlicher das touristische Potenzial dieses Standorts.
Ausbau in den 1920er- und 1930er-Jahren
1925 entstand ein erstes größeres Holzgebäude mit Umkleiden, Wärterraum und getrennten Bereichen für Männer und Frauen. Die Besucherzahlen stiegen rasch an. Schon wenige Jahre später galt die Anlage als zu klein, sodass ein Neubau notwendig wurde.
1931 wurde eine neue Badeanstalt errichtet, später erneut erweitert – unter anderem um Toiletten, Duschen, zusätzliche Umkleiden und weitere Einrichtungen. Die Besucherzahlen wuchsen stark und machten das Bad zu einem wichtigen Anziehungspunkt für Einheimische, Schulen, Jugendgruppen und Gäste.
Wachsende Bedeutung für Hinsbeck
Mitte der 1930er-Jahre nutzten zehntausende Menschen pro Saison die Badeanstalt. Damit war sie nicht nur ein Freizeitort, sondern auch ein wirtschaftlich bedeutsamer Bestandteil des Fremdenverkehrs in Hinsbeck.
Gleichzeitig gehört auch zu dieser Geschichte, dass sich die menschenverachtende Ausgrenzungspolitik der NS-Zeit bis in den Alltag der Badeanstalt hinein auswirkte. Solche Vorgänge zeigen, wie sehr selbst lokale Freizeiteinrichtungen in das politische Unrecht jener Jahre eingebunden waren.
Während des Krieges sank der Badebetrieb deutlich, doch die Anlage blieb weiterhin in Betrieb.
Neuanfang nach 1945: Wiederaufbau des VVV und der Badeanstalt
Nach dem Zweiten Weltkrieg war Hinsbeck materiell weniger stark zerstört als viele andere Orte, doch die Belastungen für die Bevölkerung waren groß. Mit der britischen Besatzung und dem Aufbau neuer Verwaltungsstrukturen begann auch ein organisatorischer Neuanfang.
Wiedergründung des VVV nach dem Krieg
1946 kam es zu einer ersten Besprechung mit früheren Vorstandsmitgliedern, wenig später zur ersten Generalversammlung nach dem Krieg. Das Interesse war so groß, dass der Versammlungsort kaum ausreichte. Ein neuer Vorstand wurde gewählt, und der Verein erhielt eine neue Satzung.
Der Wiederaufbau der Badeanstalt
Eines der wichtigsten Projekte der Nachkriegszeit war der Wiederaufbau der Badeanstalt. Da legale Baumaterialien kaum zu bekommen waren, organisierte der Verein mit viel Improvisation, persönlichem Einsatz und großem Engagement Material, Arbeitskräfte und Transportmöglichkeiten. Dieses Kapitel gehört zu den eindrucksvollsten Beispielen für den praktischen Gemeinschaftssinn der Nachkriegsjahre.
1949 konnte die neue Badeanstalt schließlich eröffnet werden. Sie wurde von Beginn an sehr gut angenommen. Im selben Jahr fand dort ein großes Strandfest statt, das Tausende Besucher anzog und zeigte, wie wichtig die Anlage für das öffentliche Leben und für den Fremdenverkehr geworden war.
Wald, Wanderwege und Freizeitangebote
Neben der Badeanstalt widmete sich der VVV dem Wiederaufbau und der Aufwertung der Hinsbecker Höhen. Dazu gehörten Aufforstungen, neue Pflanzungen, die Pflege von Wegen und Ruhezonen sowie die Verbesserung der touristischen Infrastruktur.
Zudem entwickelte sich das kulturelle Leben weiter: Theatergruppen wurden eingebunden, Freilichtaufführungen organisiert und Feste veranstaltet. Der Verein verstand sich in dieser Zeit nicht nur als touristischer Akteur, sondern auch als Motor des Dorflebens.
Werbung, Blumenschmuck und Verkehrsanbindung
Ab den frühen 1950er-Jahren setzte der VVV wieder gezielt auf Werbefaltblätter, Blumenschmuckwettbewerbe und eine attraktivere Gestaltung des Ortsbildes. Gleichzeitig verbesserte sich die Anbindung Hinsbecks durch neue Omnibuslinien deutlich. Damit wurden Strandbad, Höhen und Ortskern für Tagesgäste besser erreichbar.
Die 1950er-Jahre: neue Impulse für Tourismus und Ortsbild
In den 1950er-Jahren profitierte Hinsbeck von mehreren Entwicklungen gleichzeitig. Die Natur blieb das wichtigste Kapital des Ortes, doch hinzu kamen neue Einrichtungen, bessere Verkehrsverbindungen und ein wachsendes Freizeitangebot.
Jugendherberge, Sportlerheim und neue Gästegruppen
Mit der Jugendherberge „Vier Linden“ und dem Sportlererholungsheim auf den Hinsbecker Höhen entstanden zwei wichtige Einrichtungen, die neue Gästegruppen nach Hinsbeck brachten. Viele junge Menschen lernten den Ort auf diese Weise kennen und kehrten später als Tagesgäste oder Urlauber zurück.
Bergfeste, Turniere und Sängerfeste
Auch große Veranstaltungen trugen dazu bei, Hinsbeck über die Region hinaus bekannt zu machen. Nach dem Krieg kehrten die Bergfeste zurück, Reit- und Springturniere fanden statt, ebenso große Sängerfeste und weitere Vereinsveranstaltungen auf den Höhen. Der VVV wirkte dabei oft als Organisator, Unterstützer oder verbindende Kraft.
Ortsbild und Weihnachtswerbung
Gleichzeitig kümmerte sich der Verein um viele kleinere, aber für das Ortsbild wichtige Projekte: Weihnachtswerbung mit den Geschäftsleuten, Christbäume im Ortskern, Blumenschmuck, Ruhebänke, Wanderwege und die Pflege markanter Punkte im Ort. Diese Mischung aus großen Ideen und vielen kleinen Maßnahmen prägte die Arbeit des VVV in den Nachkriegsjahrzehnten nachhaltig.
Die 1960er-Jahre: mehr Mitglieder, mehr Wege, mehr Gestaltung
Mit dem Amtsantritt von Ernst Herfs als Gemeindedirektor übernahm er satzungsgemäß auch den Vorsitz des VVV. In den 1960er-Jahren setzte der Verein seine Arbeit mit großer Kontinuität fort.
Ausbau von Wanderwegen und Grünanlagen
Neue Wege wurden angelegt, bestehende instand gesetzt und zusätzliche Bänke aufgestellt. Im Ort entstanden Grünanlagen, Pflanzungen und Aufenthaltsorte, etwa an der Dorflinde oder im Bereich des späteren Friedensparks. Auch der Amandusbrunnen wurde erneuert.
Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“
Ein wichtiger Impuls kam durch die Teilnahme am Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“. Hinsbeck konnte hier Anerkennung und Preise gewinnen. Die Aktion trug dazu bei, dass sich viele Bürgerinnen und Bürger aktiv an der Verschönerung des Dorfes beteiligten – etwa durch Blumenkübel, Fassadenschmuck oder die Pflege des öffentlichen Raums.
Der Kreiswandertag und neue Freizeitangebote
Ab 1968 gewann der Kreiswandertag auf den Hinsbecker Höhen an Bedeutung. Ornithologische, botanische und geologische Wanderungen, Reitveranstaltungen, Konzerte und später der Trimm-dich-Parcours machten Hinsbeck zu einem attraktiven Ziel für Natur- und Freizeitinteressierte.
Die 1970er-Jahre: kommunale Neuordnung und neue Aufgaben für den VVV
Mit der kommunalen Neugliederung zum 1. Januar 1970 wurde Hinsbeck Teil der neuen Stadt Nettetal. Diese Veränderung hatte auch Folgen für den VVV. Der Vorsitz ging nun nicht mehr automatisch mit einem kommunalen Amt einher. Hermann Timmermanns übernahm den Vorsitz und prägte den Verein über viele Jahre entscheidend.
Neue Zuständigkeiten und neue Projekte
Viele klassische Aufgaben des Fremdenverkehrs gingen zunehmend an städtische Stellen über, etwa an das Verkehrsamt Nettetal. Der VVV konzentrierte sich deshalb stärker auf Gestaltung, Identität, Heimatpflege und konkrete Projekte vor Ort.
Dazu gehörten unter anderem die Weihnachtsbeleuchtung im Ortskern, Brunnenanlagen, Nistkästen, Kunstobjekte und Hinweistafeln. Auch die 1971 eingerichtete Radstation an der Badeanstalt sowie ein neuer Bolz- und Spielplatz an der Jugendherberge zeigten, wie stark der Verein auf praktische Angebote für Gäste und Einheimische setzte.
Mitgliederzuwachs und starke Bürgerbeteiligung
In den 1960er- und 1970er-Jahren wuchs der Verein stark. Durch intensive Mitgliederwerbung stieg die Zahl der Mitglieder erheblich an. Der VVV wurde dadurch zu einer noch breiter getragenen Kraft im Dorf.
Kirmesplatz, B 509 und erste große Strukturdebatten
Gleichzeitig musste sich der Verein zunehmend mit übergeordneten Planungen auseinandersetzen – etwa mit der Gestaltung des Kirmesplatzes, der Verkehrssituation im Ortskern und später mit der umstrittenen Verlegung der B 509. Damit begann eine Phase, in der der VVV nicht nur verschönerte, sondern auch moderierte, verhandelte und die Interessen Hinsbecks gegenüber Verwaltung und Politik vertrat.
Die 1980er-Jahre: neue Ideen, starke Projekte, mehr Heimatpflege
Die 1980er-Jahre waren eine besonders kreative und arbeitsintensive Phase in der Geschichte des VVV. Neben klassischen Aufgaben der Ortsverschönerung entstanden neue Projekte in den Bereichen Naturschutz, Heimatgeschichte, Kunst und Mundart.
Obstwiesen, Bäume und Landschaftspflege
Ab 1985 begann der VVV gezielt mit der Anlage von Flächen mit hochstämmigen alten Obstbaumsorten. Damit wollte man an die früher typischen „Bongerte“ erinnern und gleichzeitig ökologische Strukturen fördern. Bis Ende 1991 hatte der Verein an vielen Standorten hunderte Bäume und zahlreiche Hecken gepflanzt. Auch Problemflächen wie erosionsgeschädigte Hänge wurden gesichert und neu begrünt.
Das Textilmuseum „Die Scheune“
Ein bedeutender kultureller Impuls kam durch Walter Tillmann, der in Hombergen das Textilmuseum „Die Scheune“ aufbaute. Das Museum entwickelte sich Schritt für Schritt zu einem besonderen Ort regionaler Kulturgeschichte. Der VVV unterstützte diese Entwicklung, unter anderem auch organisatorisch.
„Jüüte vertälle“: Mundart als lebendige Dorfkultur
1985 entstand mit dem Gesprächskreis „Jüüte vertälle“ eine bis heute wichtige Gruppe innerhalb des VVV. Hier wurden Mundart, Geschichten, Erinnerungen und lokale Besonderheiten gesammelt, erzählt und lebendig gehalten. Diese Treffen wurden zu einem festen Bestandteil des kulturellen Lebens in Hinsbeck.
Historische Wegweiser, Brauchtum und kleine Kulturprojekte
Der VVV ließ geschnitzte Wegweiser anfertigen, säte historische Nutzpflanzen aus, unterstützte Kapellen, half bei der Gründung des Kleingärtnervereins, förderte Publikationen zur Ortsgeschichte und beteiligte sich an vielen weiteren kleineren Projekten. Gerade diese Vielzahl an Aktivitäten zeigt, wie breit das Selbstverständnis des Vereins inzwischen geworden war.
Marktplatz, Jüüten-Denkmal und neue Ortsmitte
Ein besonders prägendes Thema dieser Jahre war die Neugestaltung des Ortskerns. Marktplatz, Verkehrsführung und die spätere Bebauung vor der Kirche wurden intensiv diskutiert. Parallel dazu bemühte sich der VVV um die Schaffung eines Jüüten-Denkmals als Symbolfigur des Ortes. Mit dem Räepfest 1992 wurden schließlich sowohl die neue Marktplatzgestaltung als auch die Figur des „Hänsbäker Jüüt“ feierlich in das Ortsbild eingebunden.
Die 1990er-Jahre: Attraktivität, Kultur und neue Aufgaben
In den 1990er-Jahren erweiterte sich das Aufgabenfeld des VVV erneut. Neben Naturschutz, Ortsbildpflege und Heimatgeschichte rückten Dokumentation, Kulturprojekte, Ausstellungen und identitätsstiftende Veranstaltungen noch stärker in den Vordergrund.
Bücher, Ausstellungen und Heimatmuseum
Der Verein brachte mehrere Bücher mit Bezug zu Hinsbeck heraus oder unterstützte deren Veröffentlichung. Gleichzeitig wurde das Heimatmuseum weiterentwickelt, zunächst im alten Rathaus, später mit neuen räumlichen Lösungen. Ausstellungen zu lokalen Künstlern, historischen Themen und Sammlungen ergänzten die Arbeit.
Kirchweihfest und Jüütenmarkt
Neue Veranstaltungsformate stärkten das Ortsleben. Das Kirchweihfest wurde in den 1990er-Jahren als Dorf- und Gemeinschaftsfest neu belebt. Auch der weihnachtliche Jüütenmarkt entwickelte sich aus einer Initiative der Gewerbetreibenden und brachte eine neue, stimmungsvolle Form des winterlichen Dorflebens hervor.
Geschichtsarbeit und historische Markierungen
Mit Bronzetafeln, Basaltfindlingen und weiteren Markierungen machte der VVV historische Orte in und um Hinsbeck sichtbar. Dazu gehörten alte Gerichtsstätten, Wege, Brunnen, Sagenorte und frühere Mühlenstandorte. Damit wurde Geschichte unmittelbar im Landschaftsraum erfahrbar.
Bildhauersymposien und Kunst im öffentlichen Raum
Ein weiterer Höhepunkt waren die internationalen Bildhauersymposien. Sie brachten Kunst nach Hinsbeck, hinterließen sichtbare Werke im öffentlichen Raum und stärkten das kulturelle Profil des Ortes.
Der Umbruch 1998: Abschied von Hermann Timmermanns, neue Arbeitsstrukturen
1998 endete eine Ära: Hermann Timmermanns trat nach jahrzehntelanger Vorstandsarbeit und 28 Jahren als Vorsitzender aus gesundheitlichen Gründen zurück. Sein Wirken hatte den Verein über Jahrzehnte geprägt – von Baumpflanzungen und Wegweisern bis zu Großprojekten wie Stadtfesten, Brunnen, Denkmälern und Lehrpfaden.
Nach seinem Rücktritt setzte der Verein zunächst stärker auf Arbeitsteilung. Verschiedene Bereiche wie Geschäftsführung, Kultur, Technik und Museum wurden personell neu gegliedert. Diese Umstellung half, die Vereinsarbeit auf mehrere Schultern zu verteilen.
1999 wurde Peter Beyen zum neuen Vorsitzenden gewählt. Mit ihm begann eine neue Phase, in der der Verein weiterhin an seiner traditionellen Rolle festhielt, zugleich aber stärker auf zeitgemäße Formen der Organisation und Kommunikation setzte.
1998 bis 2006: Aufbruch in eine neue Phase
Friedenspark, Bouleanlage und neue Treffpunkte
In zentraler Lage entstand Ende der 1990er-Jahre neben dem Parkstübchen eine Freiluft-Boule- und Schachanlage. Solche Projekte zeigen, wie stark der VVV weiterhin in Aufenthaltsqualität und Begegnungsorte investierte.
Schutz von Friedhof, Grabmalen und Ortsgeschichte
Der VVV engagierte sich verstärkt für den Erhalt kulturhistorisch wichtiger Grabstätten und Grabmale auf dem Hinsbecker Friedhof. Dabei ging es nicht nur um Denkmalschutz, sondern auch um die Bewahrung lokaler Erinnerung und sichtbarer Dorfgeschichte.
Internetseite und neue Öffentlichkeitsarbeit
Ab 2002 verfügte der VVV über eine eigene Internetseite. Damit öffnete sich der Verein stärker nach außen: für Einheimische, ehemalige Hinsbecker und Gäste, die sich über Termine, Themen und Angebote informieren wollten.
Heimatmuseum und weitere Erweiterungen
Auch das Heimatmuseum wuchs weiter. Zusätzliche Exponate, neue Räume und thematische Erweiterungen – etwa zum Bereich Weberei und Textilien – machten es zu einem wichtigen kulturellen Standort innerhalb des Vereinslebens.
Vereinsbaum, Mundart und Publikationen
2004 wurde am Markt der Vereinsbaum aufgestellt, auf dem sich zahlreiche Hinsbecker Vereine und Organisationen mit ihren Wappen präsentierten. Gleichzeitig erschienen weitere Bücher, darunter das Wörterbuch der Hinsbecker Mundart von Hans Kohnen – ein wichtiger Beitrag zur Sicherung des lokalen Sprachschatzes.
Naturpark, Krickenbecker Seen und Aussichtsturm
Auch in der Landschaft rund um Krickenbecker Seen und Hinsbecker Höhen blieb der VVV aktiv. Er setzte sich in Planungsprozessen ein, beteiligte sich an Diskussionen um Naturschutz und Besucherlenkung und engagierte sich für die Rettung des Aussichtsturms auf dem Taubenberg. Dessen Wiedereröffnung 2005 war ein weithin sichtbares Zeichen dafür, wie eng Naturschutz, Landschaftserlebnis und Heimatverbundenheit in Hinsbeck zusammengehören.
Fazit: Ein Verein, der Hinsbeck über Generationen mitgestaltet hat
Die Geschichte des VVV Hinsbeck zeigt, wie sehr ein bürgerschaftlich getragener Verein einen Ort prägen kann. Seit den ersten Vereinsgründungen zu Beginn des 20. Jahrhunderts war der Einsatz nie auf ein einziges Thema beschränkt. Es ging immer zugleich um Landschaft, Wege, Bänke, Feste, Fremdenverkehr, Kultur, Sprache, Heimatpflege und die Frage, wie Hinsbeck als lebenswerter Ort erhalten und weiterentwickelt werden kann.
Über mehr als ein Jahrhundert hinweg haben viele Menschen im VVV Verantwortung übernommen, Ideen eingebracht und konkret mit angepackt. Ohne dieses ehrenamtliche Engagement wären zahlreiche Projekte, die heute ganz selbstverständlich zum Bild Hinsbecks gehören, nie entstanden.
Diese Geschichte ist deshalb nicht nur Vereinsgeschichte. Sie ist immer auch ein Stück Dorfgeschichte.
Quellen:
Archiv des Verkehrs- und Verschönerungsvereins Hinsbeck
Fotosammlung des Verkehrs- und Verschönerungsvereins Hinsbeck
Festbuch zum 75jährigen Bestehen des Verkehrs- und Verschönerungsvereins Hinsbeck 1983,
Verfasser: Hermann Timmermanns, Hinsbeck
Archiv der Freiwilligen Feuerwehr Hinsbeck, verschiedene Artikel
Gert Kaiser: Schloß Krickenbeck, Biographie eines niederrheinischen Schlosses, WestLB, Düsseldorf, 1991
Hinsbeck 1946-1969, Ein Bericht der Gemeindeverwaltung
Heimatbuch des Kreises Viersen 1951, Seite 38: Was uns die Statistik zeigt
Heimatbuch des Kreises Viersen 1967, Seite 24: Theo Müller: Das Kempener Land und seine Jugendherbergen
Heimatbuch des Kreises Viersen 1969, Seite 61: Edwin-Arnold Pleiner: Die Wappen im Landkreis Kempen-Krefeld
Heimatbuch des Kreises Viersen 1984, Seite 129: Jürgen Karsten: Fremdenverkehr in Hinsbeck 1924-1939
Heimatbuch des Kreises Viersen 1988, Seite 273: Vera Schreurs: Die Scheune in Alt-Kämpken bei Hinsbeck
Kreisarchiv Viersen, GA Hinsbeck, verschiedene Bereiche
Kreisarchiv Viersen, Archiv der Grafen von Schaesberg
Kreisarchiv Viersen, GA Lobberich, verschiedene Bereiche
Nettetaler Heimatbrief, Stadt Nettetal, 1983
Privates Zeitungsarchiv Hermann Timmermanns
Privates Zeitungs- und Fotoarchiv Änne Jakobs
Privates Zeitungs- und Fotoarchiv Ralf Hendrix
Privates Zeitungs- und Fotoarchiv Heinz Koch
Privates Landkartenarchiv Ernst Wackertapp
Stadt Nettetal, Abteilung Stadtentwicklung
Trappistenabdij Tegelen, Pater Amandus Prick
Wochenzeitschrift „Die Windmühle“ von 1949, Marga und Peter Schieferstein
Zeitungen: Kempener Zeitung, Rhein & Maas-Zeitung, Niederrheinisches Tageblatt, Hinsbecker Bürgerblatt, Landzeitung‚ Niederrheinsche Volkszeitung, Niederrheinischer Anzeiger, Niederrheinische Heimat, Rheinische Post, Westdeutsche Zeitung, Niederrheinische Zeitung, Grenzland Kurier, Grenzland-Nachrichten
