Restaurant Secretis schließt

Restaurant Secretis schließt

Kommentar | Das Restaurant Secretis schließt Anfang August nach fast 143 Jahren. Die Schließung steht zugleich für eine Entwicklung, die in Hinsbeck immer deutlicher wird: Gastronomie kann nur bestehen, wenn sie genutzt und von den Menschen vor Ort getragen wird.

Restaurant Secretis schließt – Hinsbeck verliert einen weiteren Treffpunkt

Restaurant Secretis schließt | Kommentar | Mit dem Restaurant Secretis endet Anfang August 2026 eine fast 143-jährige gastronomische Geschichte. Patricia Hessen schließt den traditionsreichen Familienbetrieb zwischen Hinsbeck und Leuth und verabschiedet sich nach 46 Berufsjahren in den Ruhestand. Einen Nachfolger für das Haus gibt es nicht.

Die Geschichte der Gaststätte reicht bis ins Jahr 1883 zurück. Damals befanden sich an dieser Stelle neben einer Schankwirtschaft auch eine Bäckerei und eine Kolonialwarenhandlung. Schon früh war das Haus ein Treffpunkt für Vereine, Bruderschaften und die Menschen aus den umliegenden Orten.

1920 übernahm Johann Jakob Dückers den Betrieb und erweiterte ihn um ein Gesellschaftszimmer und eine Gartenwirtschaft. Nach seinem Tod führte seine Frau Katharina die Gaststätte weiter. Im Jahr 1963 eröffneten Willi und Else Dückers schließlich das Restaurant unter dem Namen Secretis – benannt nach dem nahe gelegenen Moor, das ebenfalls diesen Namen trägt.

Nachdem Willi Dückers früh verstorben war, führte Else Dückers das Restaurant viele Jahre allein. 1989 übernahm ihre Tochter Patricia Hessen das Haus. Eigentlich hatte sie zunächst andere berufliche Pläne verfolgt, entschied sich dann jedoch dafür, den Familienbetrieb weiterzuführen.

Unter ihrer Leitung wurde das Secretis modernisiert und mehrfach erweitert. Zusätzliche Räume im Obergeschoss und eine vergrößerte Terrasse schufen Platz für weitere Gäste. Besonders das Mittagessen an Sonn- und Feiertagen gehörte über Jahrzehnte fest zum Angebot. Zahlreiche Familien aus Hinsbeck, Leuth und der Umgebung waren regelmäßig zu Gast.

Eine Branche unter Druck

Doch die Bedingungen für klassische Gastronomiebetriebe haben sich grundlegend verändert. Die Corona-Pandemie beschleunigte eine Entwicklung, die bereits zuvor begonnen hatte. Mitarbeitende wanderten in andere Branchen ab, Teilzeitkräfte wurden schwieriger zu finden und die Auslastung ging zurück. Gleichzeitig stiegen die Kosten, während unter anderem Geschäftsessen seltener wurden.

Eine Übergabe an die nächste Generation kommt beim Secretis nicht infrage. Auch über eine Verpachtung wurde nachgedacht, letztlich aber davon Abstand genommen. Für das Gebäude steht möglicherweise ein Umbau zu Wohnraum im Raum. Konkrete Pläne oder einen Bauantrag gibt es bislang jedoch nicht.

Mit der Schließung des Secretis verschwindet nicht nur ein Restaurant. Verloren geht auch ein Ort, an dem Menschen gefeiert, sich getroffen und über Generationen hinweg gemeinsame Erinnerungen gesammelt haben.

Das gastronomische Angebot in Hinsbeck wird kleiner

Das Secretis ist in diesem Jahr nicht der einzige Betrieb, dessen bisheriges Angebot endet. Bereits zum 30. April schloss das Spielecafé Jungbrunnen seine festen Räume in Hinsbeck. Die gut besuchten Spieleveranstaltungen werden zwar als mobiles Angebot an wechselnden Orten fortgeführt, die tägliche Laufkundschaft im Café war jedoch überschaubar geblieben.

Auch das Forsthaus Hombergen beendet zum 1. August seinen Restaurantbetrieb in der bisherigen Form. Das Haus soll weiterhin für Hochzeiten, Geburtstage, Taufen, Firmenfeiern und ausgewählte saisonale Veranstaltungen genutzt werden. Für einen spontanen Restaurantbesuch wird es jedoch nicht mehr wie bisher zur Verfügung stehen. Als Gründe nennt Betreiber Michael Fegers unter anderem die hohe Arbeitsbelastung, gescheiterte Nachfolgelösungen und den bevorstehenden Weggang seines langjährigen Kochs.

Damit verliert Hinsbeck innerhalb weniger Monate gleich mehrere gastronomische Angebote beziehungsweise deren regelmäßigen Betrieb. Natürlich spielen dabei steigende Kosten, Personalmangel und fehlende Nachfolger eine wichtige Rolle. Es wäre jedoch zu einfach, die Verantwortung allein bei den Betreibern oder den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu suchen.

Gastronomie lebt davon, dass sie genutzt wird

Restaurants, Cafés und Gaststätten können nur bestehen, wenn ausreichend Menschen regelmäßig dort einkehren. Der Wunsch nach einem vielfältigen gastronomischen Angebot im Ort reicht allein nicht aus. Wer die vorhandenen Betriebe nur selten besucht, kann nicht selbstverständlich erwarten, dass sie dauerhaft erhalten bleiben.

Oft zeigt sich erst nach einer angekündigten Schließung, wie sehr ein Restaurant oder Café angeblich zum Ort gehört. Dann werden Erinnerungen geteilt, der Verlust wird bedauert und der Wunsch geäußert, jemand möge das Angebot fortführen. Wirtschaftlich tragfähig wird ein Betrieb dadurch allerdings nicht. Gastronomie lebt nicht von guten Wünschen, sondern von Gästen.

Das bedeutet nicht, dass jeder Einzelne regelmäßig auswärts essen muss. Doch in einem kleineren Ort entscheidet die Summe vieler persönlicher Entscheidungen darüber, ob sich ein Angebot halten kann. Wer grundsätzlich außerhalb einkauft, Essen bestellt oder lieber in den größeren Nachbarorten ausgeht, darf sich nicht wundern, wenn die örtliche Gastronomie nach und nach verschwindet.

Wenkbüll zeigt, was Engagement bewirken kann

Dass eine geschlossene Gaststätte dennoch wiederbelebt werden kann, zeigt derzeit ein Beispiel ausgerechnet aus Lobberich. Dort soll die ehemalige Ratsstube am Alten Markt unter dem Namen „Wenkbüll“ als genossenschaftlich getragener Kneipen-, Kultur- und Begegnungsort neu entstehen.

Bürgerinnen und Bürger können Mitglied der Genossenschaft werden, sich finanziell beteiligen und praktisch einbringen. Das Projekt soll nicht allein von einem einzelnen Betreiber getragen werden, sondern von einer Gemeinschaft, die Verantwortung für den Treffpunkt übernimmt. Die Eröffnung ist für den Herbst 2026 vorgesehen.

Das Beispiel macht allerdings auch deutlich: Solche Projekte entstehen nicht von selbst. Es genügt nicht, die Idee gut zu finden oder in sozialen Netzwerken Zustimmung zu äußern. Eine Genossenschaft braucht Mitglieder, Eigenkapital, ehrenamtliche Mitarbeit und später natürlich auch Gäste, die das Angebot tatsächlich nutzen.

Wo sich niemand engagiert und zugleich die regelmäßige Nachfrage fehlt, wird eine geschlossene Gaststätte in der Regel nicht wiederbelebt. Dann bleibt am Ende kein neuer Betreiber, kein Bürgerprojekt und kein Treffpunkt – sondern lediglich ein weiteres ehemaliges Restaurant.

Die Schließung des Secretis ist deshalb nicht nur ein Rückblick auf eine lange Familien- und Gastronomiegeschichte. Sie sollte auch Anlass sein, darüber nachzudenken, welchen Wert die noch vorhandenen Angebote für Hinsbeck haben. Wer Gastronomie im Ort erhalten möchte, muss sie nutzen. Und wenn ein Betrieb dennoch schließt, braucht es Menschen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen. Geschieht beides nicht, steht man irgendwann tatsächlich ohne gastronomisches Angebot da.

Wie beurteilst Du die Entwicklung der Gastronomie in Hinsbeck? Schreib Deine Meinung in die Kommentare.

Grundlage dieses Beitrags ist ein Bericht der Rheinischen Post vom 29. Juni 2026 (paywall). Ergänzende Informationen stammen vom Spielecafé Jungbrunnen, vom Forsthaus Hombergen und aus der Berichterstattung über die Genossenschaft Wenkbüll (siehe Links)

Dieser Beitrag ist als Kommentar gekennzeichnet und gibt ausschließlich die persönliche Meinung des Autors wieder.

Christian
Author: Christian

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