Wir gratulieren: Artur Bomke feiert seinen 95. Geburtstag
Am 1. Juli wird Artur Bomke 95 Jahre alt. Wer mit ihm spricht, begegnet einem Menschen, der auf ein außergewöhnlich bewegtes Leben zurückblicken kann: geprägt von Krieg und Vertreibung, von einem Neuanfang in Hinsbeck, von beruflichem Erfolg – und von einer Leidenschaft, die ihn bis heute begleitet: der Fotografie.

Geboren wurde Artur Bomke 1931 in Marienburg in Westpreußen. Die Stadt liegt heute in Polen und heißt Malbork. Seine Eltern betrieben dort eine Landwirtschaft. Gemeinsam mit seinen Brüdern Gerhard und Harry, die beide bereits verstorben sind, wuchs er in Marienburg auf. Nach der Volksschule besuchte er die Heinrich-von-Plauen-Schule, die auf den späteren Besuch eines Gymnasiums vorbereitete. Doch 1944 endete seine Schulzeit abrupt: Der Krieg bestimmte fortan das Leben.
1945 musste die Familie Marienburg verlassen und kam zunächst bei einer Tante in Danzig unter. Dort erlebte er die Bombardierung und Eroberung der Stadt. Er selbst musste unter anderem in einem Lazarett mithelfen. Wenig später wurden sie auch aus Danzig vertrieben. Mitnehmen konnten sie nichts. Das Haus in Marienburg war zerstört, Nahrung war kaum vorhanden. Wochenlang gab es nur Kartoffeln. Im April 1945 starb sein Vater an Hungertypus.
Im September 1945 wurde die Familie von den Polen ausgewiesen. Sie gehörte zu den letzten, die Marienburg verlassen mussten. Der Weg führte über Kiel, Hamburg und Lüneburg schließlich nach Düsseldorf. Dort wurden rund 200 Menschen aus Marienburg auf Lobberich, Hinsbeck und Breyell verteilt. Ein Einheimischer gab der Familie damals den Rat, nach Hinsbeck zu gehen – in die „Perle am Niederrhein“. So kam Artur Bomke im Oktober 1946 nach Hinsbeck.
Zunächst lebte die Familie im Lager im Saal Franken, später in den Zollhäusern an den Krickenbecker Seen. Eine wichtige Begegnung wurde für den jungen Artur Bomke der Besuch des damaligen Gemeindedirektors Wilhelm Leyens. Er hörte sich die Geschichte der Familie an – und half ganz konkret. Leyens ermöglichte Bomke und seinem Freund Hans Sperling den Besuch der Zubringerschule in Lobberich und später des Gymnasiums Thomaeum in Kempen. Auch für passende Kleidung sorgte er. Zwar mussten die beiden zwei Jahre Latein nachholen, doch sie schafften es.
1950 musste Artur Bomke seine Schulzeit aus finanziellen Gründen beenden. Er schloss sie mit dem sogenannten „Einjährigen“ ab – einem damaligen Abschluss unterhalb des Abiturs, vergleichbar mit der Mittleren Reife.
Seinen beruflichen Weg begann Artur Bomke anschließend bei der Offset-Druckerei te Neues in Kempen. Dort machte er eine Ausbildung zum Technischen Kaufmann und blieb dem Unternehmen über Jahrzehnte verbunden. Zunächst arbeitete er 16 Jahre im Verkauf, nach einem Herzinfarkt wechselte er für sieben Jahre in den Einkauf. Später übernahm er für 23 Jahre Verantwortung für die Gruppe Verlag. Als Artur Bomke 1995 in den Ruhestand ging, war er Geschäftsführer. Den Kontakt zu seiner früheren Firma hält er bis heute.
Auch privat fand Artur Bomke sein Glück. 1960 heiratete er Hanni Friederichs aus Süchteln. Seine Frau starb im Jahr 2012. Die Ehe blieb kinderlos.
In Hinsbeck wurde Artur Bomke schnell heimisch. Sportlich engagierte er sich in der 1947 gegründeten Feldhandball-Mannschaft des VfL Hinsbeck, für die er bis 1960 aktiv war. Seine größte Leidenschaft aber galt dem Reisen und der Fotografie. Es gibt nur wenige Länder, die Artur Bomke nicht gesehen hat. Von der Arktis bis Südafrika, von Kanada bis Russland: Viele Regionen der Welt hat er bereist – und mit seiner Kamera festgehalten.
Aus dieser Leidenschaft ist über Jahrzehnte ein beeindruckendes Archiv entstanden. Viele seiner Aufnahmen wurden in internationalen Kalendern veröffentlicht. Besonders wertvoll ist aber auch sein Bestand mit rund 75.000 Dias. Darunter befinden sich tausende Aufnahmen aus Hinsbeck und der Umgebung. Sie wurden unter anderem in Apothekenkalendern gezeigt und sind heute ein bedeutender Schatz für die lokale Geschichte.
Lange konnte Artur Bomke seine Spaziergänge noch selbstständig unternehmen – oft natürlich mit der Kamera dabei. Noch mit 94 Jahren war er regelmäßig unterwegs. Inzwischen machen die Beine nicht mehr so mit. Auch das Autofahren hat er Anfang dieses Jahres verantwortungsbewusst aufgegeben.
Seinen Humor und seinen Blick nach vorn hat Artur Bomke sich bewahrt. „Ich hoffe, wir sehen uns zum 100-Jährigen wieder“, sagte er zum Abschluss. Diesen Wunsch geben wir gern zurück und gratulieren Artur Bomke herzlich zu seinem 95. Geburtstag.
Text & Foto: Heinz Koch




