Um einige Pferdestärken reicher
Das Wetter war wie gemacht für die Hinsbecker: Am Aufstellungstag des neuen Hinsbecker Wahrzeichens schien die Sonne. „Einige Tage vorher hat es noch geregnet, damit der Rollrasen auch anschlägt“, scherzte Peter Beyen, Vorsitzender des Hinsbecker Verkehrs- und Verschönerungsvereines (VVV), der anlässlich seines 100-jährigen Bestehens eine neue Skulptur für den Hinsbecker Kunstweg geschaffen hat.
In Peter Rübsam fand der VVV einen Künstler, der ein einheimisches Motiv wählte: das belgische Kaltblut, Innbegriff urwüchsiger Kraft und einst selbstverständlicher Anblick auf Äckern und Wiesen der Region, in der Peter Rübsam seine Kindheit und Jugend verbrachte.
Auch in der Nähe seines damaligen Zuhause hätten Kaltblutpferde gestanden, so Peter Rübsam und man kannte einander, Mensch und Tier waren miteinander vertraut und waren in gewisser Weise auch aufeinander angewiesen.
„Inzwischen sind die schweren Pferde aus dem Arbeitsalltag, aus Landwirtschaft und Landschaft und somit auch aus dem Bewusstsein der Menschen längst verdrängt“, so Eva Marie Ehrig, Kunsthistorikerin aus Düsseldorf, die bei der Aufstellung der Skulptur eine kurze Einführung gab.
„Anschaulich an altes, vergessenes Kulturgut zu erinnern, ist schwierig genug“, so Eva Marie Ehrig. Wie also gewinnt man Erinnerung zurück? Peter Rübsam assoziiert mit der Skulptur sein privates Andenken und ein Zeichen für seine tiefe Verbundenheit mit dieser Region.
„Der Standort der Skulptur ist ideal als Schaufenster für das Künstlerdorf Hinsbeck. Sie steht im Eingangsbereich zum Naherholungsgebiet Krickenbecker Seen und zeigt, welch hohen Stellenwert die Kunst hier hat“, so Bürgermeister Christian Wagner: „Die Stadt ist um weitere Pferdestärken reicher“.
Viele Hinsbecker klatschten Beifall, als das schwere Eisenpferd und sein Umriss, der an die uralte Technik des Schattenrisses, des Scherenschnitts, erinnert, mit Hilfe eines mächtigen Krans an seinen Bestimmungsort gehievt wurde.
Peter Rübsam legte dabei selbst Hand an und klopfte die schweren Holzpflöcke in die vorbereitete Betonplatte.
Das Belgische Pferd und die Landschaft scheinen in der Skulptur von Peter Rübsam ineinander überzugehen, scheinen einander widerzuspiegeln. „Und doch“, so die Kunsthistorikerin, „hat der Mensch keinen Anteil mehr, sondern betrachtet die kunstvoll aber doch künstlich hergestellte Situation von außen. Und das Erinnern bringt die Erkenntnis des unwiederbringlich Verlorenen“.
Quelle: GrenzlandNachrichten
Foto: Inge von den Bruck
