FC Constantia Hinsbeck

FC Constantia Hinsbeck

FC Constantia Hinsbeck – als der Fußball im Dorf noch um Anerkennung kämpfen musste

FC Constantia Hinsbeck | Heute muss in Hinsbeck niemand mehr erklären, was ein Fußballverein ist. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts sah das noch ganz anders aus. Der neue Sport aus England war zwar längst am Niederrhein angekommen, wurde aber keineswegs überall begeistert aufgenommen. Manchen galt er als roh, schmutzig und für die Jugend nur bedingt geeignet.

Anfangs nur eine Belustigung beim Bergfest

FC Constantia Hinsbeck
A-Jugend des FC Constantia Hinsbeck im Jahre 1915

Während in einigen Nachbarorten bereits um 1900 Fußballvereine gegründet wurden, ließ sich Hinsbeck etwas mehr Zeit. Eine der frühesten bekannten Erwähnungen stammt vom ersten Bergfest des VVV Hinsbeck im Juli 1908. Neben Turnübungen, Sacklaufen und Stangenklettern gehörten damals auch Fußballspiele zum Unterhaltungsprogramm.

Von einem regelmäßigen Spielbetrieb konnte allerdings noch keine Rede sein. Fußball war zunächst eher eine zusätzliche Attraktion auf dem Festplatz als eine fest etablierte Sportart. Hinzu kam, dass der damalige Pfarrer Dr. Bernhard Ansems dem neuen Spiel offenbar wenig abgewinnen konnte. Fußball erschien ihm zu wild und zu körperlich. Eine Beschäftigung, bei der Kleidung und Spieler nicht unbedingt sauber blieben, passte aus seiner Sicht nur schwer zum Ideal einer ordentlich erzogenen katholischen Jugend.

Das erste bekannte Spiel endete mit einem Hinsbecker Sieg

Die Begeisterung der jungen Männer ließ sich dennoch nicht dauerhaft aufhalten. Im Mai 1910 wurde auf der Hinsbecker Heide ein Spiel zwischen den Jugendgruppen aus Hinsbeck und Grefrath ausgetragen. Die Gastgeber gewannen mit 2:0. Damit lieferte die Hinsbecker Mannschaft gleich bei einem der ersten überlieferten Spiele ein Ergebnis ab, das sich sehen lassen konnte.

Bemerkenswert war dabei, dass die Spieler selbst der katholischen Jünglingskongregation angehörten. Der Fußball hatte sich also nicht gegen die kirchliche Jugendarbeit durchgesetzt, sondern zunächst innerhalb ihrer Strukturen.

Ein Kaplan gibt dem Fußball einen Namen

Den entscheidenden Anstoß gab Kaplan Cornelius Verhülsdonk. Er stand dem modernen Sport offenbar aufgeschlossener gegenüber als der damalige Pfarrer und gründete innerhalb der Jünglingskongregation eine eigene Sportabteilung.

Sie erhielt den Namen FC Constantia Hinsbeck. „Constantia“ lässt sich sinngemäß mit Beständigkeit oder Standhaftigkeit übersetzen – ein durchaus passender Name für junge Fußballer, die zunächst gegen einige Vorbehalte antreten mussten.

Verhülsdonk übernahm zugleich das Amt des ersten Präses. Damit war der Verein fest in die katholische Jugendarbeit eingebunden. Neben religiöser und gesellschaftlicher Bildung sollte die Kongregation ihren Mitgliedern auch Musik, Bewegung und körperliche Ertüchtigung ermöglichen. Der Fußball bekam darin nun einen festen Platz.

Zwei getrennte Fußballwelten

Der organisierte Fußball war damals weniger einheitlich als heute. In der Region bestanden praktisch zwei voneinander getrennte Spielwelten.

Vereine wie der Lobbericher SC sowie Mannschaften aus Kaldenkirchen und Süchteln gehörten dem Westdeutschen Spielverband an. Dort entwickelte sich bereits vor dem Ersten Weltkrieg ein geregelter Wettbewerb mit Meisterschaftsrunden.

Daneben spielten die Mannschaften der katholischen Jünglingskongregationen in einem eigenen Zusammenschluss. Dazu gehörten unter anderem Vereine aus Lobberich, Kaldenkirchen, Breyell, Oedt, Grefrath, Steyl, Geldern und Kempen.

Der FC Constantia Hinsbeck traf somit auf zahlreiche Mannschaften aus der näheren und weiteren Umgebung. Ein durchgehender Ligabetrieb entstand innerhalb dieses katholischen Verbandes jedoch offenbar nicht. Meist blieb es bei einzelnen Freundschaftsspielen und Sportfesten.

Der spätere DJK-Sportverband bestätigt diesen allgemeinen historischen Hintergrund: Seine Wurzeln lagen in katholischen Jugendgruppen, in denen bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts eigene Sportabteilungen entstanden. Der reichsweite Dachverband wurde allerdings erst 1920 gegründet.

FC Constantia Hinsbeck – Nicht nur Fußballer

Der Name „FC“ lässt zunächst einen reinen Fußballverein vermuten. Die Mitglieder der Constantia waren jedoch vielseitiger unterwegs. Auch bei Leichtathletik- sowie Sport- und Turnfesten vertraten sie Hinsbeck.

Im Juni 1914 nahmen Sportler katholischer Jugendvereine aus zahlreichen Orten zwischen Geldern, Kevelaer, Straelen und Hinsbeck an einem gemeinsamen Fest teil. Für Hinsbeck erreichten Hubert Witter und Peter Nießen jeweils den zweiten Platz in ihren Mehrkampfklassen.

Die Constantia war damit nicht nur eine Fußballmannschaft, sondern eine breiter aufgestellte Sportgruppe. Laufen, Springen und Werfen gehörten ebenso zum Programm wie der Kampf um Tore.

Der Krieg beendet den Aufbruch

Der Erste Weltkrieg unterbrach die Entwicklung des jungen Vereins. Immer mehr junge Männer wurden zum Militär eingezogen, geregelte Wettkämpfe wurden schwieriger und das öffentliche Leben veränderte sich grundlegend.

Nach den von Heinz Koch ausgewerteten Unterlagen endeten die sportlichen Aktivitäten des FC Constantia Mitte 1916. Ein förmlicher Auflösungsbeschluss ist nicht überliefert. Wahrscheinlich verschwand der Verein nicht an einem bestimmten Tag, sondern verlor unter den Bedingungen des Krieges nach und nach seine Mannschaften und seine organisatorische Grundlage.

Die Vereinschronik des heutigen SC Rhenania bestätigt die Existenz des FC Constantia ab Mai 1910. Dort wird der Verein anhand von Presseberichten bis 1914 nachgewiesen und sein Ende ebenfalls mit dem Ersten Weltkrieg in Verbindung gebracht.

Aus der Constantia wird nicht unmittelbar die Rhenania

Nach Kriegsende begann der Hinsbecker Fußball praktisch neu. Die Sportabteilung der katholischen Jugend schloss sich der sich entwickelnden DJK-Bewegung an. Im Herbst 1919 nahm eine Mannschaft unter dem Namen DJK Rhenania Hinsbeck den Spielbetrieb auf.

Vier Jahre später wechselte der Verein in den Westdeutschen Fußballverband und nannte sich fortan SC Rhenania Hinsbeck 1919. Damit entstand der Verein, der den Hinsbecker Fußball bis heute prägt.

Der FC Constantia war jedoch nicht einfach dieselbe Organisation unter einem neuen Namen. Zwischen seinem Ende und der Gründung der DJK Rhenania lag der Krieg, und die spätere Mannschaft wurde organisatorisch neu aufgebaut. Trotzdem bildeten Erfahrungen, Spieler und die zuvor entstandene Begeisterung für den Sport eine wichtige Grundlage für den Neubeginn von 1919.

In der Vereinsgeschichte der Rhenania wird der FC Constantia deshalb zu Recht als erster bekannter Hinsbecker Fußballverein eingeordnet.

Der erste Anstoß

Der FC Constantia bestand nur wenige Jahre. Eine Meisterschaft gewann er nicht, ein eigenes Stadion hinterließ er ebenfalls nicht. Seine Bedeutung liegt an anderer Stelle: Er machte den Fußball in Hinsbeck erstmals zu einer organisierten Sportart.

Was 1908 noch als Programmpunkt zwischen Sacklaufen und Stangenklettern angekündigt worden war, entwickelte sich innerhalb weniger Jahre zu einer festen Gemeinschaft. Junge Hinsbecker traten gegen Mannschaften aus der Region an, besuchten Sportfeste und sorgten dafür, dass der Fußball im Dorf nicht wieder verschwand.

Die Constantia war damit der erste Anstoß zu einer Fußballgeschichte, die einige Jahre später unter dem Namen Rhenania fortgesetzt wurde.

Quellennachweis:

Heinz Koch: „Der erste Hinsbecker Fußballverein FC Constantia (1910–1916)“,

SC Rhenania Hinsbeck 1919 e. V.: Vereinshistorie mit Angaben zum FC Constantia, zur Gründung der DJK Rhenania und zur späteren Umbenennung in SC Rhenania Hinsbeck.
SC Rhenania Hinsbeck 1919 e.V. -Vereinshistorie

DJK-Sportverband: Verbandshistorie zur Entstehung katholischer Sportgruppen und zur Gründung des reichsweiten DJK-Verbandes im Jahr 1920.
https://www.djk.de/de/verband/der-djk-sportverband/verbandshistorie

Bildnachweis: Dorfmuseum Hinsbeck. Das Manschaftsfoto zeigt die A-Jugend des FC Constantia Hinsbeck im Jahre 1915 (Obere Reihe (v.l) : Heinrich Krämers (in Uniform), Willi Verhees, Gerhard Rollbrocker, Leo Reemen, Heinrich Klevers, August Breuers Mittlere Reihe (v.l.) : Heinrich Cox, Heinrich Reemen, August Fretz Untere Reihe (v.l.) : August Busch, Anton Schlew, Matthias Görtz)