Denkmal-Tage 2015 in Hinsbeck

Der Denkmaltag 2015 in Nettetal erinnerte mit Ausstellungen, Führungen und Dokumenten an die Opfer der Weltkriege und ihre Spuren vor Ort.

Denkmaltag in Nettetal mit dem Blick auf die Weltkriege

Die Stadt Nettetal beteiligte sich 2015 bereits zum neunten Mal am bundesweiten Tag des offenen Denkmals. Das diesjährige Motto lautete „Bewegende Geschichte – Der Erste und Zweite Weltkrieg und die Auswirkungen auf Nettetal und seine Bevölkerung“. Damit rückten nicht nur historische Orte in den Mittelpunkt, sondern vor allem auch die Menschen, deren Leben durch Krieg, Verlust und Zerstörung geprägt wurde.

An vier Veranstaltungsorten im Stadtgebiet luden Heimatvereine, Initiativen und die Stadt selbst zu Ausstellungen, Führungen und weiteren Programmpunkten ein. So wurde der Denkmaltag zu einer gemeinsamen Erinnerung an die Opfer der beiden Weltkriege und an die Spuren, die diese Zeit bis heute in Nettetal hinterlassen hat.

Vielfältiges Programm an mehreren Orten

Das Angebot war auch in diesem Jahr wieder breit gefächert. Im Schaager Kreuzgarten begann der Tag mit einem Wortgottesdienst, an den sich ein geführter Rundgang über die Gedenkstätte anschloss. In Breyell und Kaldenkirchen wurden ergänzend Ausstellungen gezeigt, die sich mit den Schicksalen der Gefallenen und den Auswirkungen des Krieges auf die Bevölkerung beschäftigten.

Auch die Stadt Nettetal selbst beteiligte sich mit einem eigenen Programmpunkt. Eine geführte Fahrradtour verband mehrere Stationen miteinander und führte von Lobberich über Breyell bis nach Kaldenkirchen. Dort standen unter anderem die zehn Kriegsdenkmäler der ehemaligen Grenzstadt im Mittelpunkt. So entstand ein Programm, das Erinnerung nicht nur in Ausstellungsräumen, sondern auch unmittelbar vor Ort erfahrbar machte.

Alte Kirche Lobberich als Ort sichtbarer Kriegsspuren

Einen wichtigen Beitrag leisteten die Verkehrs- und Verschönerungsvereine aus Lobberich und Hinsbeck mit ihrer gemeinsamen Ausstellung in der Alten Kirche Lobberich. Schon das Gebäude selbst war ein eindrucksvoller Erinnerungsort, denn die Kirche wurde in den letzten Kriegstagen stark beschädigt. Bis heute sind die Spuren des Beschusses sichtbar und machen die Geschichte auf unmittelbare Weise greifbar.

Die Ausstellung zeigte außerdem weitere Schäden, die der Krieg im Stadtgebiet hinterlassen hatte. Dokumentiert wurden unter anderem die Zerstörungen an der Pfarrkirche St. Sebastian, deren Fenster fast vollständig vernichtet wurden. Fotografien, Karten und Unterlagen zu Gebäudeschäden sowie zu den Verteidigungsanlagen des Westwalls gaben den Besucherinnen und Besuchern einen vertieften Einblick in diese Zeit. Totenzettel und seltene Objekte aus dem Kirchenschatz ergänzten die Präsentation.

Die Ausstellung des VVV Hinsbeck

Besonders umfangreich war die Ausstellung des VVV Hinsbeck, die von Heinz Koch und Ralf Hendrix zusammengestellt worden war. Mit zahlreichen Fotos, Namenslisten und Totenzetteln zeichnete sie ein eindrucksvolles Bild der Hinsbecker Gefallenen und Vermissten aus beiden Weltkriegen. Dadurch wurde deutlich, wie tief die Verluste in fast jede Familie und in das gesamte Dorfleben hineinwirkten.

Große Wirkung entfalteten dabei vor allem einzelne Originaldokumente. So machte eine erhaltene Todesbenachrichtigung spürbar, wie kühl und pathetisch offizielle Formulierungen oft klangen und wie weit sie von der persönlichen Trauer der Angehörigen entfernt gewesen sein müssen. Gerade diese Gegenüberstellung verlieh der Ausstellung eine besondere Nachdenklichkeit.

Gegenstände aus dem Dorfmuseum machten Geschichte greifbar

Ergänzt wurde die Dokumentation durch zahlreiche Exponate aus dem Dorfmuseum. Dazu gehörten Feldflaschen, Taschen und Kavalleriestiefel ebenso wie eine Unterschenkelprothese und Gehstützen. Solche Gegenstände machten den Kriegsalltag, aber auch die langfristigen Folgen von Verwundung und Verlust auf besonders eindringliche Weise sichtbar.

Besonders bemerkenswert waren die Schuhe des Russlandheimkehrers Franz Vanderheiden. Sie waren in der Gefangenschaft gefertigt worden und bestanden aus einer Vollholzsohle mit einem Schaft aus Segeltuch. Gerade solche Stücke zeigten, unter welchen Bedingungen Menschen in jener Zeit leben und überleben mussten. Auch die Geschichte des 1927 errichteten Ehrenmals für die Kriegstoten wurde ausführlich dargestellt.

Auch die lokale Kriegswirtschaft wurde thematisiert

Die Ausstellung erinnerte nicht nur an Soldaten und Gefallene, sondern beleuchtete auch die Rolle Hinsbecks im weiteren Kriegszusammenhang. Vielen Besucherinnen und Besuchern war zum Beispiel nicht bekannt, dass es im Ort eine Geschossdreherei Heyer gab, die für die Rüstungsindustrie produzierte. Eine historische Aufnahme zeigte die Belegschaft dieses Betriebs während des Ersten Weltkriegs.

Gerade solche Beispiele machten deutlich, dass die Auswirkungen der Kriege weit über die Front hinausreichten. Auch in einem vergleichsweise kleinen Ort wie Hinsbeck waren Alltag, Arbeit und wirtschaftliches Leben eng mit den Ereignissen der Zeit verbunden.

Persönliche Schicksale einzelner Soldaten

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Darstellung einzelner Kriegsbiografien. So wurde etwa der Lebensweg von Paul Thofondern näher vorgestellt, der an der Ostfront eingesetzt war. Anhand von Aufzeichnungen und Feldpostbriefen konnten seine Erlebnisse detailliert nachgezeichnet werden.

Solche persönlichen Zeugnisse verliehen der Ausstellung eine besondere Tiefe. Sie rückten die Geschichte weg von abstrakten Zahlen und hin zu einzelnen Menschen, deren Hoffnungen, Ängste und Erfahrungen sich in Briefen und Dokumenten bis heute nachvollziehen lassen.

Zwei Lebenswege, die der Krieg miteinander verbindet

Besonders berührend war die Gegenüberstellung zweier Männer, die sich wahrscheinlich nie begegnet sind und doch durch den Krieg auf besondere Weise miteinander verbunden wurden. Der Hinsbecker Heinrich Hendrix nahm als Sanitätssoldat an den schweren Kämpfen um Arnheim während der alliierten Operation „Market Garden“ teil.

Auch Hans-Joachim Gutbrod aus dem oberschlesischen Cosel war an diesem Kriegsgeschehen beteiligt, allerdings als Fallschirm-Unteroffizier. Während Heinrich Hendrix überlebte und später Küster an St. Peter in Hinsbeck wurde, fiel Gutbrod im Februar 1945 in der Nähe von Venlo. Er wurde auf dem Hinsbecker Ehrenfriedhof beigesetzt. Gerade solche Schicksale machten deutlich, wie eng europäische Geschichte und lokale Erinnerung miteinander verbunden sind.

Erinnerung als Aufgabe für die Gegenwart

Der Denkmaltag verfolgt das Ziel, die Öffentlichkeit für den Wert des kulturellen Erbes zu sensibilisieren und das Interesse an Geschichte zu stärken. In Nettetal wurde dieses Anliegen auch 2015 auf eindrucksvolle Weise erfüllt. Die verschiedenen Ausstellungen und Aktionen machten deutlich, dass Erinnerung nicht nur im Rückblick wichtig ist, sondern auch für das Verständnis der Gegenwart.

Gerade die Verbindung aus historischen Orten, persönlichen Schicksalen, Originaldokumenten und lokalen Bezügen verlieh dem Denkmaltag eine besondere Wirkung. Er erinnerte nicht nur an die Kriegsopfer, sondern auch daran, wie wichtig es ist, ihre Geschichten sichtbar und erzählbar zu halten.